US-Wahlkampf: Showdown in New Hampshire - DER SPIEGEL
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US-Wahlkampf Showdown in New Hampshire

Der Kampf um die amerikanische Präsidentschaft strebt einem ersten Höhepunkt entgegen. Bereits im Bundesstaat New Hampshire könnte sich entscheiden, welcher der Bewerber aus dem Rennen fliegt. Die Kandidaten tun derweil ihr bestes, ihre Parteikollegen zu diffamieren.
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Washington - "Kämpfen kann jeder. Aber ein Land voranbringen, das kann nur eine Führungspersönlichkeit", sagt Bill Bradley, ehemaliger US-Senator und Basketballstar, der Bill Clinton im Amt beerben will. Für Bradley geht es am Dienstag um alles oder nichts. Nachdem sein Mitbewerber um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Vizepräsident Al Gore, überraschend deutlich bei den parteiinternen Abstimmungen in Iowa gewonnen hatte, muss Bradley bei den Vorwahlen in New Hampshire als Erster ins Ziel kommen. Denn wenn seine politischen Anhänger den Glauben an ihn verlieren, drohen binnen kurzem auch die Spendenquellen für den Wahlkampf zu versiegen. Dann wäre für ihn das Rennen ums Weiße Haus schon bald beendet.

Bradleys Chancen, die demokratischen Wähler in New Hampshire auf seine Seite zu ziehen, sinken. Zulange hatte er den Dauerbeschuss des Vizepräsidenten ohne Gegenwehr eingesteckt. Das hat Bradley die Führung gekostet, die er seit Monaten gehalten hatte. Nach den jüngsten Umfragen liegt Gore (48 Prozent) vor Bradley (44 Prozent), meldet der TV-Sender CNN.

Inzwischen hat der ins Hintertreffen Geratene seine erklärte Taktik - keine Schlammschlachten, keine "vergiftete" Politik - aufgegeben. Jetzt schießt er selbst mit Giftpfeilen. Gores Strategie basiere auf Lügen und falschen Anschuldigungen, der Clinton-Stellvertreter habe eine Washingtoner "Bunkermentalität" und sei der König des "negative Campaignings", des schmutzigen Wahlkampfs. Wieso sollten die Wähler glauben, dass ein Präsident Gore die Wahrheit sagen werde, wenn der Kandidat wider besseren Wissens Unwahrheiten verbreite, fragt Bradley auf seinen Wahlkampftouren durchs Land. "Und was ist das? Ist das etwa nicht negativ?", dreht Gore den Spieß geschickt um. Unfair sei doch einzig und allein Bradley, der solche gemeinen Anschuldigungen erhebe.

"Nagative Campaigning" hat sich in den vergangenen Wochen zu einer der meist benutzten Vokabel des Wahlkampfs 2000 entwickelt. Früher war es üblich, das Ansehen des Mitbewerber der eigenen Partei durch lancierte Nachrichten zu schädigen und ihn damit unwählbar zu machen. Die Schlammschlacht im aktuellen Rennen um die Präsidentschaft läuft nach folgendem Schema: Die Kandidaten behaupten, die anderen Bewerber würden schlecht über sie reden. Das alles sei ziemlich unfair. So saust derzeit die Moralkeule auf und nieder. Du warst gemein, du lügst, du hast aber angefangen.

Laut Umfragen könnte der Sieger der Republikaner in New Hampshire John McCain heißen. Dem Senator des Bundesstaates Arizona würden zwei Tage vor der Wahl 38 Prozent der Wähler ihre Stimme schenken, gefolgt von Texas' Gouverneur George W. Bush mit 34 Prozent und dem millionenschweren Verleger Steve Forbes mit 12 Prozent.

Die Auseinandersetzungen unter den Kandidaten wirken mitunter bizarr. Forbes' Wahlkampfmanager William Dal Col reklamierte in der "New York Times", dass sich Topkandidat Bush mit der "Negative Campaigning"- Masche um ungewollte Diskussionen drücke. In Texas habe der Gouverneur sein Steuer-Wahlversprechen gebrochen. "Doch weil sie eine öffentliche Debatte darüber verhindern wollen, behaupten die Bush-Berater unfairer Weise, wir verbreiten negative Nachrichten."

McCain musste sich seit Beginn des Wahlkampfes mit lancierten Meldungen über seinen angeblich cholerischen Charakter herumschlagen. Der frühere Bomberpilot, der fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft in Vietnam verbracht hatte und während dieser Zeit zugegebenermaßen zwei Selbstmordversuche verübte, sei nicht in der Lage, das Präsidentenamt besonnen auszuführen. Jetzt wirbt McCain mit einem Wahlspot, der seine militärische Kompetenz in den Vordergrund stellt. "Das sind alles gute Leute, aber ich glaube, dass ich die Person bin, die das Land führen kann. Ich bin der Einzige, der die Erfahrung hat." Die Spitze zielt auf Bush, der nicht in Vietnam war und der mehrfach bewiesen hat, dass er bei außenpolitischen Fragen schnell ins Trudeln kommen kann. Im Bush-Lager wird derzeit beraten, wie auf diese gemeine Propaganda reagiert werden soll.