US-Wahlnächte Klassiker Hängepartie
Hamburg - Wegen äußerst knapper Ergebnisse in zwei Bundesstaaten könnte die Senatswahl in den USA zu einer Hängepartie werden. In den Staaten Virginia und Montana lagen die republikanischen Amtsinhaber und ihre demokratischen Herausforderer laut Hochrechnungen dicht beeinander.
In Virginia beispielsweise hatte der Demokrat Jim Webb bei insgesamt mehr als zwei Millionen abgegebenen Stimmen einen hauchdünnen Vorsprung von weniger als 3000 Stimmen vor dem republikanischen Senator George Allen. Beide Kandidaten erklärten sich zum Sieger. Der US-Fernsehsender ABC berichtete, es könne bis zu einer Woche dauern, bis das Endergebnis in Virginia feststeht.
Die Demokraten haben im künftigen Senat nur dann eine Mehrheit, wenn sie in allen drei bislang offenen Staaten die republikanischen Senatoren besiegen. 33 der 100 Senatoren sowie alle 435 Abgeordneten waren neu zu bestimmen. Um den Republikanern die Mehrheit im Senat abzujagen, mussten die Demokraten insgesamt sechs Sitze hinzugewinnen. Bislang haben sie vier Mandate hinzugewonnen.
"Too close to call" - die Zahlen liegen zu nahe beisammen, um ein Ergebnis zu bestimmen - diese Losung wurde in den vergangenen US-Wahlnächsten fast schon zum Klassiker - und sie wurde auch bei der Wahl 2006 einige Male ausgegeben.
Kopf-an-Kopf-Rennen hatten auch die beiden vergangenen US-Präsidentschaftswahlen geprägt: Damals zeigte sich, dass das Land in zwei nahezu gleich große politische Lager geteilt ist. Im Jahr 2004 hatte Amtsinhaber George W. Bush seinen Herausforderer John Kerry zwar in 31 von 50 Bundesstaaten besiegt, den Ausschlag aber gaben die 20 Wahlmännerstimmen aus Ohio. In diesem entscheidenden Bundesstaat wiederum war das Ergebnis denkbar knapp: Bush kam auf 51 Prozent, Kerry auf 49 Prozent der Stimmen.
Im Jahr 2000 hatten erst die Gerichte George W. Bush zum Sieger über seinen demokratischen Kontrahenten Al Gore erklärt. Die Hängepartie hatte sich wegen des Streits, wie unzuverlässig ausgestanzte Stimmzettel zu werten seien, über Wochen hingezogen. Am Ende eines 36-tägigen Marathons war es schließlich das Oberste Gericht, das George W. Bush auf Grund eines minimalen Vorsprungs von 537 Stimmen im Staat Florida ins Weiße Haus brachte.
Auch bei dieser "Midterms"-Wahl schwärmten die Anwälte der Parteien in die besonders umkämpften Bundesstaaten wie Maryland, Missouri, Ohio und Tennessee aus, um bei Unregelmäßigkeiten sofort Einspruch einlegen zu können. Aus mehreren Bundesstaaten wurden bereits Probleme mit den neu angeschafften Wahlcomputern gemeldet, die eigens angeschafft worden waren, um Pannen zu vermeiden.
jaf/AFP/AP/dpa