USA Atomtests - warum nicht?
Washington - Die Bush-Regierung will im Laufe des Tages dem Kongress ihre strategischen Nuklearpläne vorlegen. Darin wird auch die geplante Reduzierung der Atomwaffen enthalten sein, wie sie von Präsident Bush und Russlands Staatschef Wladimir Putin bei einem Treffen im vergangenen Monat ausgehandelt worden ist. Danach sollen in den nächsten zehn Jahren die derzeit verfügbaren 6000 Sprengköpfe auf 1700 bis 2100 reduziert werden.
Gleichzeitig werde jedoch festgestellt, dass die Vereinigten Staaten ihre Nukleartests in der Wüste von Nevada wieder aufnehmen müssten, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Quellen im Energieministerium. Damit sollen, so die Befürworter dieser Tests, die Verlässlichkeit des Atomwaffenarsenals gewährleistet werden.
In dem Bericht an den Kongress, so das Blatt, verlange das Verteidigungsministerium, das Genehmigungsverfahren für die Erprobung von Kernwaffen zu verkürzen. Damit bestehe die Möglichkeit einer Wiederaufnahme der Tests. Derzeit dauere es zwei Jahre, bis eine Testexplosion möglich sei.
Optionen offen halten
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld schloss am Dienstag die Notwendigkeit solcher Tests nicht aus. 1992 hatte der ehemalige US-Präsident und Vater des jetzigen Amtsinhabers, George Bush, die unterirdischen Tests mit einem Moratorium auf Eis gelegt, sein Nachfolger Bill Clinton setzte diese Politik fort. Beobachter gehen davon aus, dass eine Entscheidung der jetzigen Regierung, die Tests zum ersten mal nach zehn Jahren wieder aufzunehmen, weltweit einen Aufschrei der Empörung nach sich ziehen würde.
Seit seinem Amtsantritt hat Bush junior erklärt, er werde ebenfalls an dem Moratorium seines Vaters festhalten - allerdings vermied er gleichzeitig, diese Tests gänzlich auszuschließen. Rumsfeld wies am Dienstag darauf hin, dass es derzeit bei der Zusicherung von Präsident George W. Bush bleibe, sich an das Test-Moratorium zu halten. Doch jede Atommacht müsse sich "der enormen Tödlichkeit und Gewalt dieser Waffen bewusst sein, und sie hat eine Verantwortung dafür, dass sie sicher und zuverlässig bleiben". Wenn das ohne Testexplosionen geschehen könne, habe das Vorrang. Und derzeit sei das nach Meinung des Präsidenten noch der Fall.
Bislang haben die USA den internationalen Atomwaffensperrvertrag nicht ratifiziert, mit dem Atomtests weltweit geächtet werden. Bush hatte diese Verweigerungshaltung des Senates 1999 als Präsidentschaftskandidat ausdrücklich unterstützt. Dabei sitzen die Amerikaner im selben Boot mit Ländern wie China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel, die bislang ebenfalls eine Ratifizierung ablehnten.
Weitere Pläne?
Doch innerhalb der Bush-Regierung denkt man offenbar nicht nur über mögliche Tests nach. Eine Studie aus dem Jahr 2000, an der auch Mitarbeiter des US-Verteidigungs-Ministeriums mitarbeiteten, formuliert die Notwendigkeit, "neue Waffen entwickeln und bauen" zu dürfen.
Auch wenn die Drohung, Nukleartests wieder aufzunehmen, den Widerstand der Rüstungskontroll-Befürworter hervorrufen würde, ist der gesamte Komplex der Nuklearwaffen nach den Terroranschlägen und dem Krieg in Afghanistan in den Hintergrund getreten. Keiner interessiert sich momentan für diese Dinge, schreibt die "Washington Post".
"Wenn wir planen, dass wir Nuklearwaffen auch weit in der Zukunft behalten wollen", sagt der Waffenexperte William Arkin, der auch für den Natural Resources Defence Council arbeitete, "bin ich mir nicht sicher, ob ich die eventuelle Notwendigkeit von Atomtests verneinen würde."