USA contra Iran: Krieg der Worte - DER SPIEGEL
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USA contra Iran Krieg der Worte

Aufgeheizte Stimmung zwischen dem Iran und den USA. US-Präsident George W. Bush hat pro-demokratischen Demonstranten im Iran Unterstützung zugesagt und ihre Proteste als einen positiven Schritt auf dem Weg zur Freiheit bezeichnet. Teheran wirft ihm im Gegenzug Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans vor.
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Washington/Teheran - In der iranischen Hauptstadt Teheran war es Sonntag in der fünften Nacht in Folge zu Protesten gegen den herrschenden islamischen Klerus gekommen. Auch aus zwei anderen iranischen Städten wurden kleinere Protestaktionen berichtet. Die Demonstranten fordern von der geistlichen Führung des Iran und von der Regierung Reformen sowie mehr individuelle Freiheit.

"Dies ist der Beginn eines Bekenntnisses der Menschen zu einem freien Iran, was meiner Meinung nach positiv ist", sagte Bush am Sonntag in Kennebunkport, wo er sein Wochenende verbringt. "Ich glaube, dass sich eines Tages die Freiheit überall durchsetzen wird, weil die Freiheit eine mächtige Antriebskraft ist", fügte er hinzu.

Die Demonstrationen am Sonntag verliefen friedlich. Bei einigen Protesten am Samstag war es dagegen zu schweren Gewaltausbrüchen gekommen, weil fundamentalistisch-islamische Gruppen Demonstranten mit Schlagstöcken, Ketten und Messern attackiert hatten.

Die USA hatten die Gewaltanwendung gegen die Demonstranten verurteilt. "Die Vereinigten Staaten sehen den Einsatz von Gewalt gegen iranische Studenten, die friedlich ihre politische Meinung äußern, mit großer Besorgnis", hatte es in einer Erklärung des Präsidialamtes geheißen. "Die Iraner haben wie alle Menschen das Recht, ihr eigenes Schicksal zu bestimmen und die Vereinigten Staaten unterstützen ihr Streben nach einem Leben in Freiheit."

Die Bedeutung der Proteste werde von den USA überinterpretiert, sagte ein Sprecher des iranischen Außenministeriums am Sonntag. "Die Amerikaner ignorieren die Millionen Menschen, die den Obersten Führer und Präsidenten begrüßen, aber sie nennen die Proteste einiger weniger die Stimme des Volkes", fügte der Sprecher hinzu.

Im Iran kontrollieren seit der islamischen Revolution 1979 konservative Geistliche Justiz und Armee. Sie blockieren die Reformen, die Präsident Mohammad Chatami und eine Mehrheit im Parlament anstreben. Nach dem Ende des Irak-Kriegs haben sich die Spannungen zwischen dem Iran und den USA verstärkt. Die USA werfen dem Iran vor, nach Atomwaffen zu streben und den internationalen Terrorismus zu unterstützen. Der Iran hat dies zurückgewiesen.

Aufruf an Deutschland

Der US-Regierungsberater Richard Perle rief Deutschland unterdessen zu einer offenen Unterstützung der Opposition im Iran auf. "Deutschland sollte durch öffentliche Unterstützung dazu beitragen, dass die Stimme der Opposition in Iran lebendig bleibt", hatte Perle am Samstag in Berlin gesagt. Perle ist Mitglied eines Beratergremiums des US-Verteidigungsministeriums und war einer der Planer des Irak-Krieges.

Demonstrant getötet?

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Anhängern der konservativen geistlichen Führung in Iran ist laut Medienberichten ein Demonstrant getötet worden. Der Mann starb der Zeitung "Nasim-e-Saba" zufolge, nachdem er am Freitag in der Stadt Schiras von selbst ernannten Sicherheitskräften angegriffen worden war. Auch in Teheran eskalierte die Lage. Nach dem Sturm militanter Regime-Anhänger auf Studentenwohnheime griff die Justiz jedoch überraschend durch.

Dutzende Personen wurden nach Berichten des staatlichen Rundfunks festgenommen. Damit wollte sich die ebenfalls von Hardlinern kontrollierte Justiz nach Ansicht von Beobachtern offenbar der Kritik entgegenstellen, sie decke die Gewalt von militanten Gefolgsleuten des Klerus.

In der Nacht zum Samstag hatten Anhänger des höchsten Geistlichen, Ayatollah Ali Chamenei, nach Angaben von Studenten schlafende Bewohner von Studentenwohnheimen angegriffen und mehrere von ihnen festgenommen. Mehr als 50 Studenten seien verletzt worden, zwei Dutzend seien seit dem Überfall verschwunden.

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