USA: Hunderttausende Immigranten fordern Rechte ein - DER SPIEGEL
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USA Hunderttausende Immigranten fordern Rechte ein

Mit Protestmärschen und Arbeitsniederlegungen in mehreren amerikanischen Großstädten haben Hunderttausende Menschen gegen die Pläne zur Verschärfung des Einwanderungsrechts protestiert. Die illegal in den USA lebenden Immigranten fordern ein Ende ihrer Rechtlosigkeit.
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Los Angeles/Washington - Allein in der kalifornischen Metropole Los Angeles gingen am 1. Mai Schätzungen zufolge bis zu 600.000 meist weißgekleidete Menschen auf die Straße. Auch in New York, Chicago, Denver, Orlando und anderen Städten strömten Hunderttausende zu den Kundgebungen auf Initiative von Immigranten-Organisationen, die unter dem Motto "Tag ohne Einwanderer" standen.

Im Zentrum von Los Angeles löste der friedliche Protest ein Verkehrschaos aus. Die Demonstranten schwenkten mexikanische und US-Flaggen und forderten ein ständiges Aufenthaltsrecht für die rund 11,5 Millionen illegalen Einwanderer in den USA. "Heute marschieren wir, morgen wählen wir" war auf Transparenten zu lesen. "Ich kämpfe für diese arbeitenden Menschen, weil ich glaube, dass sie ein Recht haben, hier zu leben", sagte die 62-jährige Maria Flores, die seit den sechziger Jahren legal in Kalifornien lebt.

Auch in anderen Städten des Landes nahmen die Menschen zahlreich an Kundgebungen teil: In Chicago, Illinois zogen rund 400.000 Demonstranten in einem friedlichen Protest durch die Stadt. Den illegalen Einwanderern müsse aus einem Schattendasein der Weg zur Staatsbürgerschaft geebnet werden, forderte der demokratische Senator Barack Obama auf der Kundgebung. In New York formten Zehntausende Demonstranten Menschenketten. In Denver, Colorado demonstrierten rund 75.000 Menschen. In Orlando kam es bei einer Kundgebung von rund 20.000 Einwanderern auch zu einer Mini-Gegendemonstration: "Marschiert direkt nach Mexiko zurück", forderten wenige Demonstranten auf Transparenten.

Arbeitsniederlegungen im ganzen Land

Parallel zu den Kundgebungen hatten verschiedene Organisationen die Immigranten aufgerufen, der Arbeit sowie den Geschäften und Schulen fernzubleiben. In Los Angeles folgten nach Behördenangaben mehr als ein Viertel der Schüler dem Aufruf, auch in Chicago blieben bis zu 30 Prozent der Schüler den Klassenzimmern fern. Im Hafen von Los Angeles beteiligten sich Transportfahrer an Arbeitsniederlegungen.

Im ganzen Land machten viele kleine Ladenbesitzer für den Tag dicht. Einige Firmen, die hauptsächlich hispanische Niedriglohnkräfte engagiert haben, stellten die Arbeit ein, darunter die Nahrungsmittelgiganten Tyson Food und Cargill Foods. Die Fastfoodkette McDonald's, bei der ebenfalls viele Immigranten arbeiten, drückte ihre Unterstützung für die Proteste aus.

Mit Blick auf die neuerlichen Proteste bekräftigte die Regierung von US-Präsident George W. Bush erneut die Notwendigkeit einer gründlichen Reform des Einwanderungsrechts. Diese solle auch ein Gastarbeiterprogramm für Millionen bislang nicht erfasste Arbeiter umfassen, sagte gestern der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan. Auch eine Stärkung der Grenzen und die konsequentere Anwendung der Gesetze müssten allerdings Teil einer solchen Reform sein. Bush rief nach Angaben seines Sprechers erneut zur Besonnenheit in dem "schwierigen und emotional aufgeladenen Thema" auf.

Die Proteste richten sich gegen einen Ende des vergangenen Jahres vom Repräsentantenhaus verabschiedeten Gesetzentwurf. Darin ist unter anderem vorgesehen, einen tausend Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Mexiko zu errichten und die illegale Einwanderung als Straftat zu ahnden. Die parlamentarischen Verhandlungen über ein neues Immigrationsrecht sind derzeit allerdings wegen starker Differenzen blockiert.

In den USA leben Millionen Immigranten ohne Papiere. Die Latinos stellen mit etwa 40 Millionen Menschen bereits ein Siebtel der US-Bevölkerung.

lan/AFP