Vergeltung Taliban warnen USA
Kabul - "Wenn unschuldige Menschen leiden, dann ist es sicher, dass der Hass weiter zunehmen wird", sagte Taliban-Sprecher Abdul Hai Mutmaen am Mittwoch. Ein Angriff hätte keinen Erfolg und würde nur Hass in der Region säen. Damit reagierte Mutmaen auf die jüngsten Äußerungen von US-Präsident George W. Bush, der die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten als Kriegshandlung bezeichnet hatte.
Bush hatte in einer Rede einen "monumentalen Kampf zwischen Gut und Böse angekündigt" und gedroht: "Wir werden keinen Unterschied machen zwischen denen, die diese Attacke ausgeführt haben, und denen, die ihnen Schutz bieten." Man werde die Verantwortlichen jagen und zur Strecke bringen. Der als Drahtzieher der Terrorserie in den USA vermutete Ussama Ibn Ladin lebt mit Billigung der Taliban-Regierung in Afghanistan.
US-Außenminister Colin Powell sagte, man werde "entsprechend" auf die Terroranschläge reagieren. Überraschenderweise bat Powell in seiner Rede Pakistan um Mithilfe bei der Suche nach den Terroristen. Das Land hat enge Verbindungen zu den Taliban.
Gleichzeitig appellierte der zur Opposition der Taliban gehörende Vertreter Afghanistans in Deutschland, Amanullah Jayhoon, an die USA, von Angriffen auf sein Land abzusehen. In einem Interview mit der "Financial Times Deutschland" sagte er, "dass das afghanische Volk nicht aus Terroristen besteht, sondern selbst ein Opfer der Taliban ist". Die in Deutschland lebenden Afghanen verurteilten die Attentate vom Dienstag als einen "barbarischen Akt", so Jayhoon.
Deutsche sollen Afghanistan verlassen
Da die Bundesrepublik mit dem Regime in Kabul keine diplomatischen Beziehungen unterhält, wird Afghanistan in Berlin durch die ehemalige Regierung des Landes repräsentiert. Die Gegner der Taliban, die so genannte Nord-Allianz, kontrollieren noch rund zehn Prozent des Landes und hatten sich den vergangenen Tagen heftige Kämpfe mit den Taliban geliefert und die Hauptstadt Kabul angegriffen.
Unterdessen hat das Auswärtige Amt Deutsche in Afghanistan aufgefordert, das Land zu verlassen. Zurzeit befinden sich dort noch 23 Deutsche.