Verschleppte Briten Blair droht Iran mit Satelliten-Beweisen
Teheran/London - Demnächst könnte Großbritannien Beweise veröffentlichen, dass die Soldaten, anders als von Iran behauptet, nicht in Gewässer der Islamischen Republik gefahren seien, erklärte der Sprecher des britischen Premiers Tony Blair. Entsprechende Daten eines satellitengestützten Navigationssystems (GPS) hätten die Briten bisher noch nicht publiziert, "weil wir nicht wollen, dass dies eskaliert".
Die BBC berichtet, die britische Regierung bereite eine Pressekonferenz vor, auf der entsprechende Beweise der Öffentlichkeit präsentiert werden könnten. Die Regierung sei bereit, die Mittel ihrer diplomatischen Anstrengungen umzustellen.
Regierungskreisen zufolge hat Großbritannien die Aufzeichnungen Iran bereits zur Verfügung gestellt.
Zuvor hatte die britische Regierung noch einmal unmissverständlich die Freilassung der gefangenen Soldaten gefordert. "Sie müssen sie freilassen. Wenn nicht, wird dies in eine andere Phase treten", sagte Premierminister Tony Blair dem Fernsehsender GMTV. Iranische Sicherheitskräfte hatten die im Irak stationierten Briten am Freitag auf einer Patrouillenfahrt auf einem Grenzfluss festgenommen.
Auch Außenministerin Margaret Beckett erhöhte den Druck auf die Regierung in Teheran: Sie habe in einem Telefonat mit ihrem iranischen Kollegen Manutschehr Mottaki "in robustem Ton" erneut die Rückkehr der Gefangenen gefordert, teilte ihr Ministerium mit.
Trotz der Drohungen aus London stellte Iran den Briten lediglich Zugang zu den Seeleuten in Aussicht, wenn eine vorläufige Untersuchung des Falls abgeschlossen sei. "Natürlich sind sie an einem völlig sicheren Ort und werden auf eine humane und islamische Weise behandelt", sagte Außenamtssprecher Mohammed Ali Hosseini im Staatsfernsehen.
Gegenwärtig wird spekuliert, ob die Gefangennahme der Soldaten im Zusammenhang mit der Verhaftung von fünf Iranern im Januar im Irak durch US-Truppen steht. Blair sagte, dies sei für den aktuellen Fall ohne Belang. "Jeder bewaffnete Iraner, der sich im Irak aufhält, verstößt gegen das Uno-Mandat und unterminiert die demokratisch gewählte Regierung des Iraks", sagte Blair. Iran müsse sich die Frage stellen, ob man internationale Abmachungen einhalten wolle oder nicht. "Wir arbeiten mit aller Kraft daran, Iran klarzumachen, dass dies sehr vernünftig wäre", sagte Blair.
Auch Deutschland forderte Iran auf, die Seeleute freizulassen, und bestellte dazu den Botschafter der Islamischen Republik in Berlin ein. Die Briten hätten unter dem Mandat der Uno operiert, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Iran sei für die Unversehrtheit der Europäer verantwortlich und habe außerdem die Verpflichtung, umgehend konsularischen Zugang zu ihnen zu gewähren.
jaf/Reuters/AFP/dpa