Vorschnell Rau gratulierte Bush
"Sie übernehmen eine Aufgabe von höchster Verantwortung nicht nur für die Zukunft Amerikas, sondern auch für den Frieden in der Welt. Ich wünsche Ihnen für diese große und schwere Aufgabe Kraft und Gottes Segen", ließ beispielsweise Bundespräsident Johannes Rau (SPD) nach Austin in Texas senden. Kurz darauf kam ein zweites Schreiben bei Bush an: Das Präsidialamt zog die Glückwünsche zurück.
Rau war mit seinem verfrühten Glückwunsch in guter Gesellschaft. Russland, China, Frankreich, die Türkei, Indonesien, Südkorea und die Europäischen Union waren ebenfalls bemüht, zu den ersten Gratulanten zu gehören. EU-Kommissar Romano Prodi sagte: "Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Herrn Bush."
Unionsfraktion blieb stur
Die Bundestagsfraktion der CDU/CSU blieb trotz des wackeligen Wahlausgangs in den USA bei ihren Glückwünschen an Bush. Man freue sich über den Erfolg des Republikaners, sagte Fraktionschef Friedrich Merz. Mit seinem zukünftigen Vizepräsidenten Richard Cheney und der republikanischen Mehrheit im Kongress gebe es nun beste Voraussetzungen für die Festigung der deutsch-amerikanischen Freundschaft und der transatlantischen Beziehungen.
Diplomatischer reagierte der britische Außenminister Robin Cook: "Ich gratuliere George Bush, wenn es sich bestätigen sollte, dass er gewonnen hat. Wir freuen uns darauf, mit ihm zusammen zu arbeiten und Großbritannien als einzigartige Brücke zwischen Amerika und Europa zu erhalten", hieß es in einer Erklärung.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte für den Vormittag eine Pressekonferenz angesetzt, verschob sie aber. Es müsse erst das endgültige Ergebnis abgewartet werden, bevor der Bundeskanzler ein Statement abgeben könne, teilte das Kanzleramt mit.
PDS will nicht gefaxt haben
Die PDS kommentierte ebenfalls den Wahlausgang vorab. Parteivorsitzende Gabriele Zimmer faxte in einer Pressemitteilung, Bush sei ein Mann, der für das konservative Amerika stehe. Europa werde sich nun warm anziehen müssen. Wenig später wurde diese Einschätzung zurückgezogen. In einer handschriftlichen Erklärung hieß es: "Achtung Redaktionen, solange die Auszählung der US-Präsidentenstimmen noch läuft, betrachten Sie bitte die PDS-Pressediensterklärung von G. Zimmer als nicht gefaxt."