Vorwahlen: Eines der größten Rätsel Amerikas - DER SPIEGEL
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Vorwahlen Eines der größten Rätsel Amerikas

Das System der Vorwahlen, diese gigantische Ur-Wahl zweier Präsidentschaftskandidaten, gibt es seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Vorher hatten die Parteibosse den Kandidaten bestimmt. Jetzt tun das die Parteimitglieder, in einigen Staaten sogar auch Nichtmitglieder.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die demokratische und republikanische Partei halten zwischen Januar und Juni eine Vorwahl ("Primary" oder "Caucus") in jedem US-Bundesstaat ab. Da die Verfassung keine Regeln vorschreibt, variiert der Vorgang  von Staat zu Staat - und von Wahljahr zu Wahljahr. Bei den Demokraten entscheidet die Bundespartei über die Regeln, bei den Republikanern sind die Landesverbände zuständig. Einzige Gemeinsamkeit: Am Ende einer Vorwahl wird jedem Kandidaten entsprechend seinem Wahlergebnis eine Anzahl von Delegierten zugeteilt, die im Hochsommer zum nationalen Parteitag reisen und dort für ihn stimmen. Bei manchen republikanischen Vorwahlen gilt hingegen die "Winner takes all"-Regel: Der Kandidat, der die meisten Stimmen erhalten hat, bekommt alle Delegierten des Staates. Wie viele Delegierte ein Staat zum Parteitag schicken darf, hängt unter anderem von der Bevölkerungszahl und seiner Bedeutung für die Partei ab.

In den meisten Fällen müssen sich die Delegierten verbindlich auf einen Bewerber festlegen, so dass der Kandidat im Laufe der Vorwahlsaison mitzählen kann, wie viele Delegierte ihm noch zur Mehrheit fehlen. Ist die Mehrheit erreicht - oft weit vor der letzten Primary -, steigt der unterlegene Bewerber meist aus dem Rennen aus. Die Vorwahlen gehen trotzdem weiter - schließlich sollen Delegierte zum Parteitag gesandt werden.

Die Staaten mit frühen Terminen, allen voran New Hampshire und Iowa, haben daher überproportionale Bedeutung: Ihre Bewohner setzen nicht nur die Themen des nationalen Wahlkampfes, sondern bestimmen auch möglicherweise den Kandidaten im Alleingang. Wieso schieben dann nicht alle Staaten ihre Vorwahlen nach vorn? Unter anderem deshalb, weil Spätstarter als Ausgleich Bonus-Delegierte bekommen, also ihr Gewicht auf dem Parteitag vergrößern können. Schließlich wird dort nicht nur der Kandidat "gekrönt", sondern auch über andere Richtungsentscheidungen abgestimmt.

Dieses Jahr haben jedoch viele Staaten, darunter Riesen wie New York und Kalifornien, entschieden, ihre Vorwahlen früher abzuhalten. Wenn dieser Trend anhält, wird vielleicht über ein neues System nachgedacht werden müssen, etwa eine Rotation der Staaten.

Offiziell ernannt wird der republikanische Kandidat mit einem Riesenspektakel auf dem Parteitag Ende Juli, der Demokrat auf dem Parteitag Mitte August. Die Präsidentschaftswahl ist am 7. November.