Wahl im Kongo Beobachter kritisieren Ergebnis als unglaubwürdig
Oppositionsanhänger in Kinshasa: Beobachter halten die Wahl für manipuliert
Foto: GWENN DUBOURTHOUMIEU/ AFPKinshasa - Internationale Wahlbeobachter haben zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentschaftswahl in Kongo angeprangert. So hätten zahlreiche Wahllokale eine "unwahrscheinlich hohe" Wahlbeteiligung von 99 bis 100 Prozent gemeldet, wobei alle oder fast alle Stimmen an Amtsinhaber Joseph Kabila gegangen sein sollten, erklärte die vom früheren US-Präsidenten Jimmy Carter gegründete Wahlbeobachter-Organisation Carter Center.
In Kinshasa, einer Hochburg der Opposition, seien die Ergebnisse von fast 2000 Wahllokalen verloren gegangen. In einigen überprüften Wahllokalen hätten Stimmzettel auf dem Boden gelegen, anderswo seien die Zettel mit den Wahlergebnissen nassgeregnet und anschließend auf Stöcken getrocknet worden. Diese und weitere Vorkommnisse deuteten auf "Missmanagement" bei der Erstellung des Wahlergebnisses hin und stellten die Glaubwürdigkeit der Wahl in Frage.
Die nationale Wahlkommission hatte Staatschef Kabila am Freitag zum Sieger erklärt. Demnach gewann er mit knapp 49 Prozent der Stimmen vor seinem Herausforderer Etienne Tshisekedi, der gut 32 Prozent erreichte. Anhänger Tshisekedis protestierten. Bevor der 40-jährige Kabila seine zweite Amtszeit als Staatschef antreten kann, muss der Oberste Gerichtshof des Landes zunächst das Wahlergebnis bestätigen. Am 17. Dezember sollen die Richter den definitiven Wahlsieger bekannt geben.
Oppositionskandidat Tshisekedi erklärte, nach Zählungen seiner Partei auf Grundlage der direkt von den Wahllokalen gemeldeten Ergebnisse habe er mit 54 Prozent der Stimmen gewonnen. Regierungssprecher Lambert Mende drohte im daraufhin mit Strafverfolgung wegen eines "Angriffs auf die Verfassung".
In der Hauptstadt Kinshasa nahm die Polizei Razzien bei Oppositionsanhängern vor. In Vierteln, die als Hochburgen Tshisekedi gelten, gingen Polizisten am Samstag von Haus zu Haus und nahmen junge Männer fest. Der kongolesische Polizeichef General Charles Bisengimana teilte am Samstagabend mit, es seien seit Freitag vier Menschen erschossen worden. Er bezeichnete die Opfer als Plünderer. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von 18 Toten, die meisten durch Kabilas Soldaten.
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Bevölkerung Kongos zur Ruhe auf. Alle Meinungsverschiedenheiten müssten mit den vorgesehenen "gesetzlichen Mechanismen" und Schlichtungsverfahren beigelegt werden, erklärte Ban in New York.