Wahl in Russland Putin schafft's im ersten Wahlgang
Moskau - Ein Mitglied der zentralen Wahlkommission, Dmitri Oreschkin, sagte am Montagmorgen: "Die Wahl ist gültig und Putin hat gewonnen." Für ihn votierten nach Auszählung von knapp 93 Prozent der Stimmen 52,4 Prozent der Wahlberechtigten. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 69 Prozent. Für eine gültige Wahl mussten mindestens die Hälfte der 108 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgeben.
Putin ist damit gewählter Nachfolger von Boris Jelzin, der am Silvestertag zurückgetreten war und dem 47-Jährigen die Amtsgeschäfte übertragen hatte. Der russische Präsident wird für vier Jahre gewählt. Ein Sieg Putins war allgemein erwartet worden. Spannend blieb jedoch bis zuletzt die Frage, ob er schon im ersten Wahlgang gewinnen könne oder erst in einer Stichwahl am 16. April.
In seiner Heimatstadt St. Petersburg sowie in anderen Metropolen im Westen Russlands erhielt Putin nach Zwischenergebnissen klar die angestrebte absolute Mehrheit. Nur in der Hauptstadt Moskau lag er unter dem landesweiten Durchschnitt.
"Ein Sieg im ersten Wahlgang bedeutet eine noch größere moralische Verpflichtung" sagte Putin. "Selbst mit nur einem halben Prozent wäre das ein riesiger Vorschuss", sagte er.
Aus dem starken Abschneiden Sjuganows will Putin Konsequenzen ziehen. Es gebe einen großen Teil der Bevölkerung, der nicht zufrieden mit der Lage im Land sei, sagte Putin. Die Politik der russischen Führung müsse daher "ausgewogen sein".
Als Präsident wolle er ehrlich sein. Die einfachen Menschen dürften nicht betrogen werden. "Der einfache Mensch muss den Vorteil der Politik der Führung spüren." Niemand aber solle von ihm "morgen Wunder erwarten", sagte Putin.
Erneut rechtfertigte Putin die Wahlen in der vom Krieg zerstörten abtrünnigen Kaukasus-Republik Tschetschenien. Der Wahlgang habe gezeigt, dass "der größte Teil des tschetschenischen Volkes die Republik als Teil der Russischen Föderation sieht", meinte Putin. Internationale Beobachter kritisierten die Wahlen in dem Gebiet wegen fehlender Voraussetzungen. Putins Popularität in Russland gründet sich vor allem auf dessen unerbittlicher Haltung in dem seit acht Monaten andauernden Kaukasus-Krieg, obwohl in dem Feldzug fast 2000 Soldaten getötet wurden.
Bei der zweiten Präsidentenwahl in Russland seit dem Ende der Sowjetunion hatten sich elf Kandidaten um die Nachfolge von Boris Jelzin beworben. Regierungschef Putin war vom zurückgetretenen Präsidenten Boris Jelzin am Silvestertag 1999 gemäß Verfassung als kommissarischer Präsident eingesetzt worden.