Wahlempfehlungen in den USA: Fast alle sind gegen Donald Trump - DER SPIEGEL
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US-Medien vs. Trump "Demagoge, Dummkopf, Lügner"

Wahlempfehlungen durch Zeitungen haben in den USA Tradition, das angesehene Magazin "Atlantic" hält sich dabei stets zurück. Nicht so in diesem Jahr.
Donald Trump
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Donald Trump

Foto: Mike Segar / REUTERS
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Das amerikanische Magazin "The Atlantic" ist eine Institution in den Vereinigten Staaten - eine kulturelle und politische Zeitschrift, die sich in Fragen der US-Präsidentschaftswahl eigentlich der journalistischen Neutralität verpflichtet sieht.

Doch jetzt, da der Milliardär Donald Trump ins Weiße Haus einziehen könnte, macht die Redaktion eine Ausnahme: Rund vier Wochen vor der Wahl empfiehlt "Atlantic" den Lesern, für die Demokratin Hillary Clinton zu stimmen. Es ist eine Warnung, ein fast schon panischer Appell: Wählt bloß nicht Trump!

Unter der Überschrift "Against Donald Trump"  erklären die Autoren, warum Hillary Clinton "trotz ihrer Schwächen" die bessere Kandidatin sei. Trump sei auf "spektakuläre Weise ungeeignet" fürs Präsidentenamt, urteilen die Blattmacher. Vor allem weil er Verschwörungstheorien und rassistische Beleidigungen verbreite, "widerlich sexistisch" und "fremdenfeindlich" sei - und außerdem ein Demagoge, Dummkopf und Lügner.

Erst zwei Mal gab "The Atlantic" in seiner mehr als 150-jährigen Geschichte eine direkte Wahlempfehlung zur Präsidentschaftswahl ab, schreiben die Herausgeber in ihrem aktuellen Editorial. 1860 unterstützten sie Abraham Lincoln, weil ein Anliegen der Magazingründer damals die Abschaffung der Sklaverei war, und sie nur mit Lincoln das Ziel für erreichbar hielten.

1964 wurde Lyndon B. Johnson unterstützt. Nur mit ihm, so der "Atlantic"-Autor damals, könne verhindert werden, dass sich die USA in einen rassistischen Apartheid-Staat entwickelten, wie etwa Südafrika. Johnsons Gegenkandidat Barry Goldwater hatte sich gegen den Willen der republikanischen Partei als Kandidat durchgesetzt und machte im Wahlkampf Stimmung gegen die Bürgerrechtsbewegung.

Anders als beim "Atlantic" ist es für US-Medien durchaus üblich, einen der beiden Kandidaten für die Präsidentschaft offen zu unterstützen. Dabei tendierte die renommierte "New York Times" in den vergangenen Jahrzehnten meist zu demokratischen Bewerbern. Die "Washington Post", die erst seit dem Jahr 2000 sogenannte Endorsements abgibt, tendiert eigentlich zu den Republikanern - empfahl aber auch zweimal den Demokraten Barack Obama. 2016 unterstützten beide Blätter die Demokratin Clinton.

Aktueller Stand der Endorsements: Clinton 23 - Trump 0

Bei der zurückliegenden Wahl waren sich Zeitungen und Zeitschriften in den USA nicht einig: 2012 unterstützten etwa gleich viele Tageszeitungen den Demokraten Barack Obama und den Republikaner Mitt Romney. 2008 hielten mehr Blätter Obama für unterstützenswert, nicht seinen Gegenkandidaten John McCain.

Für Trump fällt die Auszählung im Wahljahr 2016 vernichtend aus: Laut einer Auflistung bei Wikipedia sprachen sich bei den Primaries nur das Verschwörungsblatt "National Enquirer", die Boulevardzeitung "New York Post", die Wochenzeitung "New York Observer" und die kalifornische "Santa Barbara News-Press" für den republikanischen Bewerber aus. Auf Hillary Clinton legten sich mehr als 80 Medien fest. Jetzt kommt es für den Republikaner noch schlimmer: Clinton liegt mit 23:0 vorne.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, bei den Endorsements vor der Wahl liege Clinton mit 80:4 vorne. Diese Auswertung bezog sich jedoch auf die Primaries. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.