Wahlparteitag Demokraten blasen zur Aufholjagd
Los Angeles - Bereits zum Auftakt der viertägigen Versammlung am Montag soll mit einer Abschiedsrede Präsident Bill Clintons vor den über 4300 Delegierten symbolisch der Stab an seinen Stellvertreter Gore weitergereicht werden.
Clinton sagte am Vorabend des Parteikongresses in der kalifornischen Metropole bei einer Zusammenkunft der Parteiführung, anders als Bush würde Gore den Wohlstand aller Amerikaner weiter mehren. Clintons Stabschef John Podesta sagte, der Präsident werde alles tun, um Gore im Wahlkampf zu unterstützen. Gore selbst wird traditionsgemäß erst am Mittwoch am Versammlungsort eintreffen, dem Tag der Kandidatenkür.
Die Demokraten erhoffen sich von dem Parteitag einen Aufschwung für ihren Kandidaten. In jüngsten Meinungsumfragen liegt Gore drei bis 16 Prozentpunkte hinter dem texanischen Gouverneur Bush, der vor zwei Wochen auf dem Parteitag der Republikaner in Philadelphia zum Herausforderer des amtierenden Vizepräsidenten gekürt wurde. Bush, Sohn des früheren Präsidenten George Bush, zieht mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Richard Cheney als Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten in den Wahlkampf.
Gore berief in der vergangenen Woche Senator Joseph Lieberman aus Connecticut zu seinem "running mate". Beobachter sehen in dieser Personalentscheidung eine klare Distanzierung Gores vom moralischen Verhalten Clintons in Zusammenhang mit der Lewinsky-Affäre. Lieberman gilt als moralische Instanz in der amerikanischen Politik. Er hatte als erster Demokrat im September 1998 Clinton wegen dessen Affäre mit der ehemaligen Praktikantin Monika Lewinsky scharf verurteilt. Die Republikaner haben angesichts der Affären um Clinton in den letzten acht Jahren das Thema Moral im Weißen Haus und Familienwerte in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs gerückt.
Mit Spannung wird die Grundsatzrede Gores am Donnerstag zum Abschluss des Parteitags erwartet, mit der der Vizepräsident seine Kandidatur formell annehmen wird. Sie wird nach allgemeiner Ansicht entscheidende Bedeutung daran haben, ob es Gore gelingt, den derzeitigen Trend bei den Wählern zugunsten Bushs bis zur Wahl am 7. November umzukehren. Der neue Präsident tritt sein Amt am 20. Januar 2001 an.