"Weg mit dem Müll" Der Likud feiert Baraks Ende
Tel Aviv - Das Likud-Festzelt im sonst so Barak-freundlichen Norden von Tel Aviv dröhnte. Der Boden war übersät mit jenen gelben Wahlzetteln mit Scharons Namen - politisches Konfetti. Eine bunt gemischte Menge von halbstarken Jugendlichen und ergrauten Kippaträgern drängelte sich am Eingang, um den Scharon-Sieg mitzufeiern. Sie warteten lange.
Erst nach ein Uhr nachts klettert der rüstige 72-jährige Ex-Panzerführer endlich auf die Bühne. Er verspricht seinen Wählern einen "echten Frieden". Auf den Postern im Festzelt steht "Arik Scharon, der Führer zum Frieden", auf hebräisch reimt sich der Slogan sogar. Den Journalisten wird in der Saalmitte ein von Polizeigittern abgesperrtes Territorium zugewiesen.
Die Medien sind bei den Likud-Anhängern nicht sonderlich beliebt. "Ihr seid doch alle links", schnauzt ein Halbstarker die Journalisten an. Aber ein Interview will er trotzdem geben: "Wir wollen den Tempelberg zurück", erklärt er großspurig, als wäre dieser bereits im palästinensischen Besitz. Wann er zum letzten Mal die Westmauer des jüdischen Tempels, die so genannte Klagemauer, besuchte, erinnert er aber nicht mehr.
Auf der anderen Seite des großen Zeltes tanzt eine Gruppe um ein Scharon-Poster und feiert die Königskrönung: "Arik, König von Israel", rufen sie. Einer von ihnen ist Yossi aus Holon, einer Vorstadt von Tel Aviv. Er bringt die Politik auf einen einfachen Nenner: "Wenn Du etwas gekauft hast, was vergammelt ist, dann schmeißt du es in den Müll, so haben wir es mit Barak gemacht".
Müll in der Politik, Müll auf der Straße. In der Straße vor der Likud-Party, wie in ganz Tel Aviv, hat jemand die Mülleimer der Stadt mit dem Wort "Wahlurne" beklebt. Seit zwei Wochen streikt die Müllabfuhr. Der Streik, so erklärte die Gewerkschaft heute Morgen, geht auch nach der Wahl weiter.