Widerstand gegen Besatzer USA befürchten noch mehr Terror im Irak
Bagdad - Bremer hat eine eigene Begründung für seine Spekulation: "Es wird eine zunehmende Anzahl von Angriffen und terroristischen Anschlägen geben, weil die Terroristen sehen, dass die Dynamik des Wiederaufbaus zu unseren Gunsten läuft", sagte Bremer der britischen Zeitung "Times". Mehrere hundert in den Irak eingedrungene Terroristen aus Syrien, dem Sudan, Jemen und Saudi-Arabien würden ihre Attacken verstärken, um die amerikanischen und britischen Truppen aus dem Land zu vertreiben, sagte Bremer. Den Alliierten fehle dagegen ein funktionierendes Geheimdienstnetz, um dieser Bedrohung zu begegnen. Er wolle einen Vorschlag des irakischen Innenministeriums zu prüfen, wonach eine Spezialeinheit aus Milizen der unterschiedlichen irakischen Parteien zusammengestellt werden soll.
In Iskanderija, 50 Kilometer südlich von Bagdad, töteten Untergrundkämpfer einen US-Militärpolizisten. Seine Patrouille sei am Sonntagabend mit Panzerfäusten angegriffen worden, teilte das US- Militärkommando in Bagdad mit. Damit kamen seit dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen Anfang Mai schon mehr als 150 US-Soldaten im Irak ums Leben. In der Umgebung der Stadt Tikrit seien zuvor in Waffenverstecken 4 Panzerfäuste, 17 Artilleriegranaten, 191 Mörsergranaten, 73 Panzerminen, 20 Anti-Personen-Minen sowie Munition und Sprengstoff gefunden worden.
Im Nordirak gab es unterdessen am Sonntag erstmals Kämpfe zwischen US-Soldaten und türkisch-kurdischen Rebellen. An den Gefechten hätten sich auch irakisch-kurdische Kämpfer ("Peschmerga") beteiligt, sagte der türkische Außenminister Abdullah Gül am Montag auf Fragen von Journalisten in Ankara.
Streit zwischen Regierungsrat und Washington
Zwischen dem provisorischen irakischen Regierungsrat und den USA wird die Stimmung unterdessen immer schlechter. Ursache sind Berichte, wonach die Regierung von US-Präsident George W. Bush über Alternativen zum Regierungsrat nachdenke, da sich die Ratsmitglieder mehr um ihre eigene Interessen als um eine neue Verfassung und andere politische Fragen kümmerten.
Samir al-Sumeidi, ein Mitglied des Regierungsrats, sagte dagegen, die Besatzungsmacht sei gar nicht befugt, über eine mögliche Absetzung des Rats zu entscheiden: "Der Rat war anfangs von den Koalitionstruppen legitimiert worden, aber nach der Resolution 1511 des Uno-Sicherheitsrats beziehen wir diese Legitimität von den Vereinten Nationen."
Kurdenführer Dschalal Talabani, der in diesem Monat Präsident des Rates ist, spielte die jüngsten Differenzen zwischen dem Rat und den Amerikanern jedoch herunter. US-Zivilverwalter Bremer habe den Ratsmitgliedern sogar eine Erweiterung ihrer Entscheidungskompetenzen Versprochen, sagte er nach Angaben der irakischen Zeitung "Al-Sabah".
Den Regierungsratsmitgliedern war wiederholt Vorgeworfen worden, sie zögerten die Abhaltung von Wahlen bewusst heraus, da sich einige von ihnen bei freien Wahlen keine guten Chancen ausrechneten. US-Vizeaußenminister Richard Armitage antwortete dagegen auf eine Frage nach dem Abzug der Besatzungstruppen: "Wem sollen wir die Macht (im Irak) denn übergeben? Das ist doch die entscheidende Frage."