Wieczorek-Zeul "Rote Heidi" traf Castro
Havanna - Vier Stunden sprach die "rote Heidi" mit dem kubanischen Staatschef. Als Geschenk für Kanzler Schröder gab Castro der Ministerin eine Kiste Zigarren mit. Für den "Máximo Líder" hatte Wieczorek-Zeul ein Kistchen Rotwein aus dem Rheingau mitgebracht ("Assmansshäuser Höllenberg").
Sie habe an Castro appelliert, die Todesstrafe abzuschaffen. Offensichtlich hätten ihn ihre Argumente erreicht: "Die Konsequenzen wird man sehen." Weiteres Thema sei die Unterstützung kubanischer Ärzte bei deren Einsatz in Entwicklungsländern mit Geräten und Medikamenten gewesen, sagte Wieczorek-Zeul. Sie habe zugesagt, dass sich Deutschland in ein oder zwei Ländern an einer solchen Dreieckskooperation beteiligen wolle. Wahrscheinlich werde man dafür ein Land in Afrika und eines in Lateinamerika auswählen.
Ausdrücklich habe sich Castro für die deutsch-kubanische Zusammenarbeit in einem ersten, auf Umweltschutz ausgerichteten Entwicklungsprojekt bedankt, berichtete die Ministerin. Sein Dank habe auch dem Anstoß für ein neues bilaterales Verhältnis gegolten.
Auch bei den Themen Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Arbeitslosigkeit habe sich Castro als "gut informiert" gezeigt, betonte die Ministerin. Zum Thema Deutschland und Europa habe er erklärt, dass alle Spaltungen schlecht seien. Castro habe die deutsche Einheit ausdrücklich begrüßt.
Vor Wieczorek-Zeul hatte noch nie ein Kabinettsmitglied der Bundesregierung Kuba besucht. Castro hatte sich aber unter anderen bereits mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer getroffen.