Wiederaufbau im Libanon Wegräumen und abwarten
Siddikine - Die Menschen in Siddikine suchen in den Trümmern ihrer Häuser nach verbliebenen Habseligkeiten. Der Bürgermeister hat nach eigenen Angaben noch kein Geld aus Beirut erhalten und kann wenig mehr tun, als die Gebäude in drei Kategorien einzuteilen: vollständig zerstört, teilweise zerstört, beschädigt.
Es wird wohl noch Monate dauern, bis die ersten Hilfszahlungen Siddikine erreichen. Bis dahin kommen Familien, deren Häuser zerstört wurden, bei Verwandten unter. In der Nacht wird es in vielen Orten im Südlibanon vollständig dunkel, weil die Stromleitungen beschädigt wurden - genauso wie die Wasser- und Telefonleitungen. In Siddikine bemühen sich Mitarbeiter der Elektrizitätswerke, die Versorgung wiederherzustellen. Sie sind jedoch zu wenige und haben angesichts der israelischen Land- und Seeblockade nicht ausreichend Material für die Reparaturen zur Verfügung.
Die libanesische Regierung schickte bereits Gutachter in die Dörfer, die Zahlen auf die Trümmer der zerstörten Häuser sprühen und notieren, wo die Gebäude nicht nur einstürzten, sondern gewaltige Krater in der Erde hinterließen. Auch die schiitische Hisbollah-Miliz ging in die Dörfer und gab jeder bedürftigen Familie 10.000 Dollar. Damit sollen sie die Miete bezahlen können, bis ihre Häuser wiederaufgebaut sind.
"Nichts blieb verschont"
Der Bürgermeister von Siddikine, Mohammed Assimi, sagt, dass in seinem Ort 33 Prozent der Gebäude vollständig zerstört worden seien. Weitere 40 Prozent seien teilweise zerstört und der Rest beschädigt worden. "Nichts blieb verschont", erklärt er. "Ich habe diesen Ort kaum wiedererkannt, als ich zurückkam." Wie viele der 6000 Einwohner von Siddikine flüchtete auch der Bürgermeister in den ersten Tages des Krieges Mitte Juli und kehrte erst am 14. August mit Beginn der Waffenruhe zurück. Assimi fand sein Haus schwer beschädigt vor. Gewaltige Trümmerberge blockierten die Straße, sein Büro gab es nicht mehr.
Auf die Frage, wie lange der Wiederaufbau von Siddikine dauern werde, antwortetet Assimi: "Wer weiß. Ein Jahr? Fünf Jahre? Wir haben die vergangenen beiden Wochen damit verbracht, uns durch die Trümmer zu graben." Nicht explodierte Geschosse erschwerten die Aufgabe. Minenräumkommandos hätten die Arbeit in der Region gerade erst aufgenommen.
Bewohner wie der 45-jährige Mahmud Balhas sind enttäuscht von den Verantwortlichen in Beirut. "Die Regierung hat Versprechen gegeben, aber wir haben nicht gesehen, dass sie irgendetwas getan hat", sagt er. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen untersucht er seine zerstörte Wohnung im ersten Stock eines Hauses. Schließlich laden sie einen zersprungenen Herd, einen Kühlschrank, Teppiche und Regale auf einen Anhänger. Die Familie ist bei Verwandten eingezogen, deren Haus zwar auch beschädigt wurde, aber immerhin halbwegs bewohnbar ist.
Am Boden eines acht Meter tiefen Kraters finden zwei Brüder getrocknetes Blut auf einem Zementblock. Sie graben weiter und stoßen auf zerfetzte, blutige Kleidung. "Legt sie auf einen Haufen", sagt ein Mann am Rand des Kraters. "Vielleicht ist da unten noch jemand."
Todd Pitman/AP