Wien Großdemo gegen Haider
Wien - Am Nachmittag setzten sich mehrere Protestzüge an verschiedenen Orten Wiens in Bewegung, die später zu einer Abschlusskundgebung zusammen kommen sollten. Noch vor dem eigentlichen Beginn der Demonstrationen kam es am Wiener Westbahnhof zu Zusammenstößen zwischen etwa 100 Autonomen ausDeutschland und der Polizei, wie die Wiener Nachrichtenagentur APA meldete.Vor der Staatsoper der österreichischen Hauptstadt erwarteten die Organisatoren von SOS Mitmensch und der Demokratischen Offensive rund 40.000 Menschen. Mitglieder der Grünen verteilten Anstecker mit der Aufschrift "Ich habe diese Regierung nicht gewählt". Um 15.30 Uhr begann auf dem Stephansplatz eine Kundgebung, die mit den Themen Rassismus, Integration und Frauenpolitik überschrieben war. In der Josefsstadt trugen Demonstranten Särge mit sich. Aus dem Ausland reisten Teilnehmer aus Deutschland, Italien und Frankreich an, unter ihnen der französische Filmschauspieler Michel Piccoli. Er sei nach Wien gekommen, um gegen "konservative Verräter aufzutreten und zu demonstrieren", sagte Piccoli auf einer Pressekonferenz im WienerBurgtheater. Der französische Philosoph Bernard-Henri Levy sagte, er wolle Österreich helfen, sich von dieser Regierung zu befreien.In anderen europäischen Städten waren ebenfalls Protestaktionen geplant. In Paris versammelten sich rund 4000 Menschen zu einem Protestzug gegen die Koalition von Freiheitlichen (FPÖ) und Volkspartei (ÖVP). An der Demonstration beteiligten auch einige Politiker der französischen Sozialisten.Schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren der Wiener Proteste erhob der FPÖ-Vorsitzende Haider. Den Gewerkschaften warf er vor, sie hätten Demonstranten Geld geboten, damit sie sich an den Protesten beteiligten. Der Kommunikationschef des Gewerkschaftsbundes, Michael Weber, bezeichnete den Vorwurf Haiders als unglaubliche Entgleisung. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP), der wegen seiner Koalition mit der FPÖ ebenfalls im Zentrum der Kritik in In- und Ausland steht, äußerte vor Beginn der Demonstration die Erwartung, dass die seit Anfang Februar andauernden Proteste in Kürze abflauten. "Ich rechne damit, dass noch einmal ein emotionaler Überschwang am Wochenende kommen wird, wo sich die Altlinken, die 68er, die Jungen und die Internet-Generation noch einmal austoben können. Dann wird es irgendwann einmal in die Normalität hineingehen", sagte Schüssel der "Neuen Zürcher Zeitung". Haider bezeichnete die Demonstration als "Akt der Provokation"."Die Sozialisten und alles, was da links von den Sozialisten kreucht und fleucht" würde die Gewalt der Straße benutzen, sagte er im Radio.