WikiLeaks-Chef: Assange feiert seine Haftentlassung - DER SPIEGEL
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WikiLeaks-Chef Assange feiert seine Haftentlassung

Julian Assange ist wieder in Freiheit - mit Einschränkungen. Der WikiLeaks-Gründer erklärte nach seiner Haftentlassung, er werde dafür kämpfen, seine Unschuld zu beweisen und seine Arbeit fortsetzen zu können: "Es ist großartig, wieder die frische Luft Londons zu atmen."
WikiLeaks-Chef: Assange feiert seine Haftentlassung
WikiLeaks-Chef: Assange feiert seine Haftentlassung

WikiLeaks-Chef: Assange feiert seine Haftentlassung

Foto: BEN STANSALL/ AFP
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WikiLeaks

Julian Assange

Hamburg/London - Für seine Fans war es ein großer Moment - und für ihn auch: -Gründer ist am Donnerstagabend aus der Haft entlassen worden. Bei einer kurzen Rede zeigte sich Assange guter Dinge und dankte seinen Anwälten und Anhängern. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in London einen Berufungsantrag zurückgewiesen, wonach bei einer Freilassung Assanges Fluchtgefahr bestehe. Am Dienstag hatte ein Gericht angeordnet, den Australier gegen eine Kaution von 200.000 Pfund (236.000 Euro) auf freien Fuß zu setzen.

Assange zeigte sich entschlossen, seine Unschuld zu beweisen. Er werde sowohl seine Arbeit fortsetzen als auch weiter gegen die Anschuldigungen gegen ihn protestieren, sagte der 39-Jährige unmittelbar nach seiner Freilassung vor dem Londoner Gerichtsgebäude. Er warte auf die Beweise, die zur Untermauerung der Vorwürfe gegen ihn vorgelegt würden. Assange muss sich in den kommenden Wochen auf einem Landsitz in England aufhalten, den er als ständige Adresse angegeben hat, und unter anderem eine elektronische Fußfessel tragen.

"Es ist großartig, wieder die frische Luft Londons zu atmen", waren seine ersten Worte. Während seiner Zeit im Gefängnis habe er Zeit gehabt, über die Haftbedingungen nachzudenken, unter denen viele unschuldige Menschen in der Welt leben müssten. Er forderte die wartenden Journalisten auf, auch diese Menschen zu unterstützen. Nach dem kurzen Statement verließ er das Gericht und beantwortete keine Fragen.

"Ich habe keine Angst davor, nach Schweden ausgeliefert zu werden", sagte Assange kurz nach seiner Freilassung vor dem Londoner Frontline-Journalistenclub. Assange wird von Schweden per EU-weitem Haftbefehl gesucht, weil zwei Frauen Vorwürfe wegen sexueller Vergehen gegen ihn erhoben haben. Vielmehr fürchte er sich davor, an die USA ausgeliefert zu werden, sagte Assange. Er sprach am Abend überraschend ein zweites Mal vor Journalisten, bevor er zu dem Landhaus im Südosten Englands gefahren wurde, in dem er sich in den kommenden Wochen aufhalten muss.

Nachdem die Freilassung Assanges auf Kaution beschlossen worden war, hatten Unterstützer und Journalisten am Donnerstag stundenlang ausgeharrt, bis Assange tatsächlich frei war. Zunächst hatten nach Angaben seines Londoner Anwalts Mark Stephens Formalitäten geklärt werden müssen. Unter anderem musste das Geld in bar übergeben und die Bürgen geprüft werden.

Anhänger halten Vorwürfe für einen Vorwand

Am Donnerstag war unklar, ob die schwedischen Behörden den Berufungsantrag veranlasst hatten oder die britische Staatsanwaltschaft eigenständig gehandelt hatte. Die schwedischen Behörden wollen weiter die Auslieferung des Internetaktivisten. Darüber soll unabhängig von der Haftfrage erst im Januar entschieden werden.

Assanges Mutter Christine hatte schon am Nachmittag gesagt: "Ich kann es nicht abwarten, meinen Sohn zu sehen und ihn fest an mich zu drücken". Anhänger zeigten Plakate mit der Aufschrift: "Das Aufdecken von Kriegsverbrechen ist kein Verbrechen." Sie halten die Vorwürfe gegen Assange für einen Vorwand. In Wirklichkeit gehe es darum, ihn wegen der politischen Enthüllungen von WikiLeaks auszuschalten. WikiLeaks hatte in den vergangenen Monaten tausende brisante Dokumente über die Kriege im Irak und Afghanistan sowie diplomatische Depeschen veröffentlicht. Die Veröffentlichungen hatten vor allem die USA in Erklärungsnot gebracht.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge prüft daher auch die US-Justiz, ob sie ein Verfahren gegen Assange einleiten kann. Dabei soll es um den Vorwurf von Verschwörung und Spionage gehen. Die Frage sei, ob Assange dem inzwischen inhaftierten US-Soldaten Bradley Manning aktiv geholfen oder ihn ermutigt habe, vertrauliche Dokumente herunterzuladen.

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen", der Deutsche Journalistenverband und mehrere deutsche Tageszeitungen forderten ein Ende der Kriminalisierung von WikiLeaks. Man könne zwar die Veröffentlichungen von WikiLeaks kritisieren. "Aber wir wenden uns gegen jede Form der Zensur durch staatliche oder private Stellen", hieß es in einem Appell.

flo/dapd/dpa