Putins Rentenreform Protestieren, wo es kaum ein WM-Fan sieht
Polizeipatrouille in Nowgorod
Foto: GLEB GARANICH/ REUTERSDas kommende Wochenende könnte für Russlands Polizei zur Herausforderung werden. Und das nicht etwa, weil mit Ausschreitungen nach dem Achtelfinalspiel des Gastgebers am Samstag gegen Spanien zu rechnen ist. Von den gewaltbereiten Hooligans, die vor zwei Jahren bei der EM in Frankreich heftige Schlägereien mit britischen Fans anzettelten, fehlt bisher jede Spur - auch weil Polizei und Geheimdienste mit Teilen der Ultra-Szene in gutem Kontakt stehen und hier ein Wörtchen mitzureden hatten.
Viele Fans, für die Prügeleien wichtiger sind als Fußball, haben sich in Boxhallen verzogen, die derzeit ausgebucht sind. Besonders beliebt sind Kämpfe Fünf gegen Fünf im Boxring, die enden, wenn eine Mannschaft komplett ausgeschaltet wurde.
Das deutlich größere Problem für die Sicherheitsorgane dürften die vielen geplanten Kundgebungen gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters sein. Die Maßnahme wurde just am ersten Spieltag der WM angekündigt und hat die Zustimmungswerte von Wladimir Putin nach jüngsten Umfragen sichtbar beeinträchtigt.
Vor allem an den Austragungsorten der Weltmeisterschaft machen die Behörden nun Gebrauch von ihren weitreichenden Sonderbefugnissen, Demonstrationen während der WM einzuschränken. In Sankt-Petersburg beispielsweise wurde eine bereits erteilte Genehmigung für eine Kundgebung gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters wieder einkassiert. Und in Moskau erklärten die Stadtväter, dass sie derzeit keine Proteste zulassen werden.
In Städten, die nicht zu den Austragungsorten zählen, kann dagegen nach vorheriger Anmeldung demonstriert werden. Vor allem in der Provinz sind deshalb für die kommenden Tage mindestens zwei Dutzend Kundgebungen und Protestaktionen angekündigt. Unklar bleibt, ob die Opposition an ihren Plänen festhält, auch in Moskau und anderen großen Städten auf die Straßen zu gehen.