Zweites TV-Duell Bush besiegte Gore
Winston-Salem - Mit einer geschickten Gesprächstaktik gewann Bush die Oberhand über seinen demokratischen Gegner Gore. Der Vizepräsident bekam in den anschließenden Schnellumfragen dramatisch schlechte Werte. Nach einer vom US-Nachrichtensender CNN in Auftrag gegebenen Erhebung votierten nur 36 Prozent für Gore als Sieger des 90-minütigen Rededuells. 56 Prozent hielten Bush auch für glaubwürdiger, die gleiche Anzahl fand ihn auch liebenswürdiger.
Schon die Körperhaltung der beiden Männer sandte aufmerksamen Zuschauern deutliche Signale: Bush ruhte recht entspannt zurückgelehnt in seinem Sessel und warf dem schräg neben ihm sitzenden Gore freche Blicke zu. Gore saß vorgebeugt und eher verspannt am Tisch und hatte einige Mühe, seinen Ärger über den Kontrahenten dieses Mal im Zaume zu halten. Beim ersten TV-Duell vor einer Woche war er vielen Zuschauern als zu arrogant und aggressiv erschienen, weshalb ihm seine Berater nun strenge Zurückhaltung auferlegt hatten. Doch das behinderte den eigentlich versierten Debattierer, der sogar manches Mal Probleme hatte, sich klar zu artikulieren.
Bush griff in der ersten Hälfte der Diskussion beim beherrschenden Thema Außenpolitik zu einer entwaffnenden Taktik: Er stimmte einfach allen wesentlichen Entscheidungen der Regierung von Präsident Bill Clinton und dessen Vize Gore zu. Damit entschärfte er das für den Provinzpolitiker als vermint geltende Gelände internationaler Fragen und nahm Gore die Möglichkeit, sich hier zu profilieren.
Als es dann zu innenpolitischen Sachthemen kam, zeigte Bush Schwächen, die Gore freilich wegen der selbst auferlegten Zurückhaltung nicht recht auszuschlachten vermochte. Plötzlich weht ihm der Wind wieder ins Gesicht, und die Medien wittern noch eine Wende zu Gunsten von Bush in letzter Minute - weniger als einen Monat vor der Wahl. Das macht den von vielen schon abgeschriebenen Republikaner wieder interessant und den Demokraten zum Objekt schärfster Beobachtung, wodurch auch Fehler in kleinen Details wichtig werden.
Gore hat noch eine Chance, seine Kunst als Debattierer zu beweisen: Am kommenden Dienstag geht es in die dritte Runde.