AUSSCHREIBUNGEN
Nach Rücksprache mit verschiedenen Handwerkern muß ich feststellen, daß der vom Blankschen Verteidigungsministerium herausgegebene Ausschreibungstext über Lieferung von Spinden, Tischen usw. unter Berücksichtigung der Handwerkerschaft des Zonengrenzgebietes sehr bürokratisch abgefaßt ist und Bedingungen enthält, die nicht von einem Praktiker ausgearbeitet sein können. Auf jeden Fall ist selbst ein Handwerksbetrieb größeren Maßstabes nicht in der Lage, diese Bedingungen zu erfüllen, vor allem nicht in der kurzen Zeit, die eine sogenannte Ausschreibung vorsieht.
Wenn den Herren in Bonn daran gelegen hätte, die Handwerkerschaft der Zonengrenzgebiete wirklich zu unterstützen - dies wäre eine soziale Maßnahme gewesen - und die vorliegenden Aufträge diesen Handwerkern zukommen zu lassen, so wäre das mit einfachen organisatorischen Mitteln möglich gewesen. Die Art und Weise der Ausschreibung läßt mich aber vermuten, daß die Erwähnung der Handwerker der Zonengrenzgebiete lediglich ein soziales Mäntelchen darstellt, das sich die Regierung (Verteidigungsministerium) umhängen wollte. Diesmal hat sie falsch getippt. Die Stimmung ist entsprechend.
Hof (Saale) WILHELM FRIscH
Daß der westdeutsche Soldat nun zu den luxuriösen Schaumgummi-Matratzen noch astfreie Spinde - am besten mit kaukasisch Nußbaum ausgelegt, es kann ja für den Steuerzahler gar nicht teuer genug sein - bekommt, war zu erwarten: Der Köder für die Freiwilligen muß doch fetter werden. Wie werden sich diese »abgehärteten« Krieger verhalten, wenn ihnen eines Tages urwüchsige Steppenvölker gegenüberstehen? - Vielleicht äußert sich Herr Blank auch einmal darüber, weshalb die
Spinde für Soldaten doppelt so kostbar sein müssen wie für den Durchschnitt der Zivilbevölkerung?
Würzburg WOLFGANG KORTE