AUSTRALIEN - DER SPIEGEL
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Briefe

AUSTRALIEN
• aus DER SPIEGEL 26/1952
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AUSTRALIEN

(Nr. 12/52, Ausland)

Da ich in verschiedenen deutschen Zeitschriften über Australien ausschließlich phantasievolle Berichte lesen konnte, war es eine Genugtuung für mich und den großen Kreis meiner Bekannten, daß Sie in dem Artikel des Herrn Dr. Gross endlich die Wahrheit berichteten.

Inzwischen hat sich die Lage hier weiter verschlechtert. Staatsanleihenfiasko, Kreditmangel, Importsperre, ewige Streiks und andere innere Wirtschaftsschwierigkeiten brachten steigende Arbeitslosigkeit, steigende Preise und sinkende Löhne (bei großen Bauvorhaben verdiente man tatsächlich noch vor kurzem als Arbeiter 400 DM bis 500 DM in zwei Wochen, jetzt nur 250 DM). Verschiedene Industrien wollen keinen »New Australian« mehr annehmen und die bereits beschäftigten entlassen.

Immer mehr Anhänger findet hier der Gedanke einer sofortigen Einstellung der Einwanderung. Wahrscheinlich werden sich diese Kreise auch durchsetzen. Allerdings gibt es gegenteilige Stimmen, die für eine Steigerung der Einwanderung sprechen, um im Hinblick auf die zukünftige Verteidigung Australiens recht viele »Vaterlandsverteidiger« zur Verfügung zu haben.

Ich bin überzeugt, daß, wenn sich die Lage in Europa ändern sollte, fast alle hier Eingewanderten in ihre Heimatländer zurückkehren werden. Die »freundlichen« Australier werden danach, wenn sie die »Bastards« (Standardschimpfwort für die Immigranten) losgeworden sind, das jetzige »land of the day before yesterday« bei ihrem »enormen Organisationstalent und Arbeitseifer« in die endgültige Pleite führen.

SPIEGEL-Leser Paul Schneider (Nr. 17/52) meinte richtig: »Erst sich aufhängen und dann erst nach Australien.«

Melbourne/Australia

Bernhard Oppermann

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