TERRORISMUS Ausweitung der Kampfzone
Seit den Anschlägen von Bali verstärken die südostasiatischen Regierungen ihren Kampf gegen den Terrorismus. Die als Drahtzieher geltende Islamistengruppe Jemaah Islamiah wurde auf die US-Liste der terroristischen Vereinigungen gesetzt, ihr angeblicher Anführer Abu Bakar Ba'asyir, 64, den manche bereits zum regionalen Osama Bin Laden stilisieren, ist in Haft - und schweigt. Bei dem Anschlag soll die Qaida eine Schlüsselrolle gespielt haben, sagte ein Aktivist des Terrornetzwerkes in Verhören mit US-Sicherheitskräften. Vergangenen Mittwoch wurden die ersten Phantombilder mutmaßlicher Bali-Attentäter veröffentlicht; ein Täter, heißt es, sei identifiziert.
Erfolgreicher im Anti-Terror-Kampf sind derzeit die Philippinen: Das Inselreich war allein im Oktober das Ziel von sechs Bombenanschlägen, hinter denen hauptsächlich die Abu-Sayyaf-Rebellen vermutet werden, jene notorischen Freibeuter, die seit der Entführung einer Touristengruppe mit der Göttinger Familie Wallert vor zwei Jahren als politisch motivierte Islamisten gelten. Ende des Monats wurden fünf mutmaßliche Abu-Sayyaf-Bombenleger festgenommen und vergangenen Mittwoch noch einmal 28 Milizionäre. Soldaten hatten zuvor ein Bergversteck auf der Insel Jolo gestürmt, wo Waffen und Funkgeräte lagerten.
Die philippinischen Behörden sind sicher, dass es Querverbindungen zu al-Qaida und zur Jemaah Islamiah gibt. Für eine Bombe, die Mitte Oktober im Großraum Manila einen Bus zerfetzte, 2 Menschen tötete und 19 verletzte, sei der gleiche Plastiksprengstoff C-4 verwendet worden wie auf Bali und bei einem Anschlag an Silvester 2000 auf einem Bahnhof in Manila.
Anders als im arabischen Raum bleiben die USA bei Operationen gegen die Islamisten-Szene im Hintergrund. Sie wollen vermeiden, dass anti-amerikanische Ressentiments in der Bevölkerung wachsen und die Regierungen destabilisieren.
So waren zwar bei einem nächtlichen Zugriff auf den Abu-Sayyaf-Häuptling Abu Sabaya zwei Eliteteams der U. S. Navy sowie US-Kampfhubschrauber vom Typ MH-47 »Chinook« beteiligt. Leiter der Aktion zur See aber war ein philippinischer Kommandeur. Abu Sabaya wurde erschossen, mehrere Gefolgsleute wurden gefangen. Der philippinische Oberst Juancho Sabban: »Allein hätten wir das nicht geschafft.«