Bald bechern rund um die Uhr
Die Labour-Regierung hat sich dazu durchgerungen, eine eiserne Regel des britischen Soziallebens zu eliminieren: die Sperrstunde, derzufolge »Public Houses« respektive Pubs auf der Insel ihre Gäste um elf Uhr abends auf die Straße setzen müssen. Im Innenministerium liegt jetzt ein Gesetzentwurf vor, der es Wirten ermöglicht, rund um die Uhr Alkohol auszuschenken - falls der zuständige Gemeinderat dies gestattet. Führende Vertreter der Polizei begrüßen die Initiative, da so dem notorischen Kampftrinken unter dem Damoklesschwert der »last order« der feuchte Boden entzogen werden könnte. Zudem erhoffen sich die Ordnungshüter - wenn nicht mehr zum gleichen Zeitpunkt Massen von angetrunkenen Zechern freigesetzt werden - einen Rückgang der populären Schlägereien vor Kneipentüren. Das im Vergleich zum europäischen Festland rigide Alkohol-Regime hatte die britische Regierung 1916 während des Ersten Weltkriegs errichtet, um zu verhindern, dass verkaterte Arbeiter in den Munitionsfabriken statt scharfer Granaten Blindgänger drehten. Während die Lobbyisten der Tourismus-Industrie hinter den Kulissen für den Fall der Sperrstunde kämpfen, zeigt sich das Publikum nicht begeistert. Nach einer Ende Februar veröffentlichten Untersuchung des »Instituts für Alkohol-Studien« lehnt die Mehrheit der Briten die Liberalisierung ab und will - konservativ - an der gewohnten Sperrstunde festhalten.