BALZSCHWÜMME - DER SPIEGEL
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BALZSCHWÜMME

Wie weit sich Publizistikwissenschaftler gelegentlich vom Gegenstand Ihres Faches -- der Erforschung von Geschichte, Struktur, Funktion und Wirkung der Massenmedien -- entfernen, zeigen Beiträge der Zeitschrift »Publizistik«. des repräsentativen Publikationsorgans der Zeitungswissenschaftler in der Bundesrepublik. Im jüngsten lieft untersucht zum Beispiel Professor Dr. Franz Zöchbauer. Universitätsdozent für Pädagogik im Bereich der Massenmedien an der Universität Salzburg, den Unterhaltungsfilm in »soziaipsychologischer und sozialhygienischer Sicht«, dabei auch das »Happy-End«. Der Zeitungswissenschaftler:
• aus DER SPIEGEL 16/1970
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Das Happy-End besteht meist darin, daß sich die Partner gefunden haben ... Durch den pseudodialogischen Effekt der Filme kommt es oft zum Aufbau von gefühlsmäßigen Beziehungen zu Idolen als illusionäre Partner. Der Realpartner wird allzuoft mit dem illusionären Partner verglichen, und es entsteht das Problem einer Liebe zu dritt. Zur Erläuterung des Gesagten können Beobachtungen aus der vergleichenden Verhaltensforschung als Analogie gesehen werden. Stichlingsmännchen »schwärmen« für Stichlingsweibchen mit extrem großem Dotter-. sack. Wird nun eine Stichlingsweibchenattrappe mit einem überdimensionalen Dottersack aus Blech ausgeschnitten und in das Aquarium gehängt, dann vollziehen die Stichlingsmännchen ihre Balzschwümme nur mehr um dieses »Blechweibchen« und ignorieren die Realweibchen. Analoge Verhaltensweisen können gegenüber den »Blechweibchen der Leinwand« beobachtet werden. Die Überbewertung des Sex-Appeals bewirkt, daß der Hormonspiegel zum Liebesindikator wird. Wird darauf eine Ehe aufgebaut, so geht sie notwendig bei Nachlassen der Sex-Appeal-Wirkung in Brüche.

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