Bandit - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Bandit / Wolf / Afghanistan

• aus DER SPIEGEL 49/2011
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Dass Pam Kohler aus Camano Island bei Seattle Journalisten gelegentlich mit der Schrotflinte empfängt, konnte SPIEGEL-Reporter Guido Mingels, 41, fast verstehen: Pam Kohler war von Journalisten belagert worden - wegen ihres Sohnes Colton Harris-Moore, 20, des »Barfuß-Banditen«, der eine Spur von Einbrüchen quer durch die USA gezogen, fünf Flugzeuge geklaut hatte, bis er gefasst wurde. Sein Urteil wird für Mitte Dezember erwartet, indes arbeitet Hollywood bereits an der Verfilmung. Mingels, der am Wohnwagen der Mutter anklopfte, wurde empfangen: Pam Kohlers Hund hatte den SPIEGEL-Redakteur als freundlich identifiziert. »Wenn Melanie bellt«, erklärte Pam Kohler, »schieße ich.« Die Schrotflinte lag auf dem Tisch (zum Artikel ).

Ehemann Gerhard Wolf servierte den Kaffee, der Erdbeerkuchen war köstlich - der Besuch begann besser als erwartet. Im Sommer des vergangenen Jahres sprachen die SPIEGEL-Redakteure Susanne Beyer, 42, und Volker Hage, 62, bei der Schriftstellerin Christa Wolf vor. Hage kannte die ehemalige DDR-Autorin seit 1977, aber 1993 war es zwischen Wolf und dem SPIEGEL zum Bruch gekommen: Der SPIEGEL hatte aufgedeckt, dass Wolf sich bereits 1959 von der DDR-Staatssicherheit hatte anwerben lassen, unter dem Decknamen »IM Margarete«. Wolf, lange Zeit Galionsfigur, galt spätestens nach dieser Enthüllung als ängstlich und opportunistisch - was sie dem SPIEGEL lange nicht verzeihen wollte. Hage bemühte sich um den Kontakt, besuchte sie in Kalifornien, wo sie an ihrem letzten Buch arbeitete, und das Interview in Berlin sollte eines der letzten großen Gespräche vor Christa Wolfs Tod sein. Obwohl ihr äußerlich wenig anzumerken war, sprach sie über das Sterben. »Sie war ahnungsvoll, sie sagte, ihre Frist sei wohl bald abgelaufen«, erinnert sich Hage, der jetzt den Nachruf verfasste. »Aber sie hatte ihren Frieden gemacht - es sei doch gut, dass sie noch ein Buch habe schreiben dürfen« (zum Artikel ).

In Kabul hatten die SPIEGEL-Redakteure Matthias Gebauer, 37, und Christoph Reuter, 43, ein Interview mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai verabredet, zuvor fuhr Reuter Richtung Kunduz, und zwar noch vor Sonnenaufgang. Denn die Straße zwischen Kabul und Kunduz gilt als Gradmesser für die politische Unsicherheit: Wenn die Überfälle auf der Route wieder zunehmen, so wie jetzt, dann drohen auch im Rest des Landes mehr Unruhen. Also brach Reuter frühmorgens auf, gewandet in Shalwar Kameez, der traditionellen Tracht. In Khanabad, in der Nähe von Kunduz, traf er den dortigen Distriktchef Nizamuddin Nashir. Der beschrieb die schwierige Lage der Nach-Taliban-Zeit als Diktatur der Miliz: Fast 4000 Bewaffnete würden allein in seinem Distrikt um Macht und Schutzgelder kämpfen. »Afghanistan«, so Reuters Einschätzung, »steht kurz vor dem Bürgerkrieg« (zum Artikel ).

Sehen Sie hier: (2:40) Reporter Christoph Reuter über sein Afghanistan

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Reporter Christoph Reuter über sein Afghanistan

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