Bange vor der Zukunft
Nr. 6/2003, Titel: Der einsame Kanzler - 4 Jahre und 100 Tage
Kanzler Schröder ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine der letzten großen politischen Galionsfiguren der europäischen Demokratie, ein menschliches Bollwerk gegen den räuberischen Liberalismus. Und das trotz und, zweifelsohne, gerade wegen massiver transatlantischer Sabotage und »völkischem« Unverständnis. Übersetzt lautet ein italienisches Sprichwort: »Lieber allein als in schlechter Begleitung«, was, Ironie des Schicksals, gerade in Italien keine praktische Anwendung mehr findet.
ST. JAKOB AUF DER AU (ITALIEN)
LORENO TREVISAN
Dieser Kanzler-Artikel demotiviert und macht einem Bange vor der Zukunft, wenn man erfahren muss, dass die Geschicke dieser Gesellschaft von machtgeilen Funktionärsbonzen, so genannten »Berufs«-Politikern beziehungsweise auch »Politikclowns« gelenkt werden.
PADERBORN DR. RAINER HASENÄCKER
Der Kanzler einsam? Mit der Ablehnung eines nicht zu verantwortenden Irak-Krieges ist er doch eher einsame Klasse. Indessen outen sich Politiker weit und breit als Anti-Demokraten: Unter Missachtung imposanter Bevölkerungsmehrheiten für den Frieden wollen sie mit den angloamerikanischen Angriffskriegern marschieren.
FÜRSTENFELDBRUCK (BAYERN) FRIEDHELM GIESEKING
Ich finde es bemerkenswert, dass der tschechische Staatspräsident Václav Havel gegen den Willen der Regierung seines Landes die Erklärung mehrerer europäischer
Staats- und Regierungschefs zur Unterstützung der amerikanischen Haltung im Konflikt mit dem Irak unterschrieb. Havel kennt die Geschichte seines Landes und weiß, dass es der Tschechoslowakei besser gegangen wäre, wenn 1938 Chamberlain und Daladier nicht eine Politik des Appeasement gegen Hitler betrieben hätten. Wären sie dem deutschen Diktator entschieden entgegengetreten, hätte viel Unheil verhindert werden können.
KASSEL GERHARD SADEK
Selten habe ich einen SPIEGEL-Artikel mit größerem Amüsement gelesen als »Schröders Spiel«. Als Student war ich 1983/85 häufig zu Besuch beim Mitarbeiter eines CDU-MdB in Bonn, und mehrmals schauten wir auch in der Kneipe »Provinz« vorbei. Von der Theke aus konnte man den Tisch mit den grünen Realos und den Sozialdemokraten gar nicht übersehen ... So war ich dann wohl räumlich bei der Zeugung des rot-grünen Bündnisses anwesend und habe jetzt als niedersächsischer Wähler zum Anfang seines Endes beigetragen.
HANNOVER BERND LUDDEN
Der entscheidende Satz steht in der Charakterisierung von Joschka Fischer: »Er respektiert Schröder nicht als Schröder, er respektiert Schröder als Kanzler.« Nur wenn die Autorität der Person und der Position zusammenfallen, kommt eine überzeugende Leistung in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu Stande. Wenn sich die Person hinter der Position verstecken muss, ist das Versagen vorherzusehen. Man kann das auch mit dem Peter-Prinzip erklären: Ein Mann wird so lange befördert, bis er das Stadium seiner Unfähigkeit erreicht hat.
BERGISCH GLADBACH HORST WAPLER
Ein großes Lob für den Artikel »Schröders Spiel«. Ich habe noch nie einen so aussagekräftigen Beitrag zum Zustand unserer parlamentarischen Demokratie genießen dürfen. Entgegen der Mehrheitsmeinung in Deutschland stehen wir nicht am Abgrund, sondern sind bereits einen Schritt weiter. Und was machen unsere »Volksvertreter«? Sie beschäftigen sich mit sich selbst, ihrem persönlichen Machterhalt und ihren Intrigen - und das parteiübergreifend. Die Differenz zwischen den Wahlkampfreden und dem Handeln ist erschreckend.
FRANKFURT AM MAIN
HANS-PETER RINNER
Ihre Geschichte über den Kabinettstisch unserer Regierung, dessen Ursprung den Bierdeckel-Planungen in der »Provinz« zu verdanken ist, ist einfach köstlicher Lesespaß! Setzen Sie die Story als Serie fort. Alle Landeskabinette, die Vorstandssitzungen der Großkonzerne und so weiter. Diese Männer, hauptsächlich sind es ja Männer, haben sich halt seit ihren Kämpfen auf dem Schulhof nicht verändert.
ITZEHOE WALTER MANZEY
* Am 3. Februar in Berlin nach den Landtagswahlen in Hessen undNiedersachsen.