BARTHS KRITIK - DER SPIEGEL
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Briefe

BARTHS KRITIK
• aus DER SPIEGEL 7/1959
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

BARTHS KRITIK

Mir scheint, Ihr Auge, mit dem Sie durch ein Astloch hinter den Zaun der christlichen Kirchen lugen, verliert langsam seine Schärfe.

Ludwigshafen

GÜNTER SCHNEIDER

Barth halte die westliche Christusfeindschaft für gefährlicher als die östliche? Ja, ist denn der SPIEGEL so blind gegen die Tatsache, daß der getarnte immer gefährlicher ist als der offene Gegner? Kann denn ein »Nachrichten - Magazin« überhaupt so schlecht informiert sein, um nicht zu wissen, wer schon lange vor Barth gesagt hat: Vor dem »Wolf im Schafspelz« - hütet euch? Er, Barth, -»sage voraus«, daß die Christenheit bald nur noch als »suspekt« und »verächtlich« gelten würde?

Ist denn dem SPIEGEL nie eine Information darüber zugegangen, daß einmal jemand vor Barth »vorausgesagt« haben soll: Ihr werdet gehaßt werden von jedermann um meinetwillen? Ahnt der sonst in Kombinationen doch so hellseherische SPIEGEL hier wirklich keine Zusammenhänge zwischen Lehrer und Kirchenlehrer, die immerhin beachtlich wären? Und offenbart solche offenbare Ahnungslosigkeit des SPIEGEL nicht geradezu beispielhaft, wie genau Barth den Zustand des »durchschnittlichen Christen heute« beschrieben hat? ... Aber freilich, wenn man sich mit Barth befaßt in nächster Umgebung eines den Bonner Witterungseinflüssen voll ausgesetzten Redakteurs vom »Rheinischen Merkur« (ausgerechnet!) und eines katholisierenden evangelischen Propstes in Ruhe, dann muß ja der beste Spiegel blind werden!

Netphen (Sieg)

WERNER KOCH

Pastor

Barths »Brief an einen Pfarrer in der DDR« hat weder die Kritik Asmussens und seiner Gesinnungsgenossen noch die in der Hauptsache doch unfreundlichen Bemerkungen des SPIEGEL verdient. Vom SPIEGEL kann nicht erwartet werden, daß er einen ausgesprochen seelsorgerischen Brief als solchen zu würdigen versteht - und bei Asmussen muß man wissen, daß er schon seit Jahren sich in seiner Einstellung gegenüber Barth von Ressentiments treiben läßt und daher nicht mehr fähig ist, dessen Veröffentlichungen sachlich zu würdigen. Entscheidend aber ist, was mir vor wenigen Tagen von einer ganzen Reihe von Pfarrern in der DDR einstimmig versichert wurde: Der Brief Karl Barths wurde dort - wie übrigens auch von Bischof D. Dibelius! - mit Freude und Dank

gelesen, da er eine wirkliche seelsorgerische Hilfe für die Pfarrer darstellt.

Hinte (Emden)

THEODOR IMMER

Pastor

Herzlichen Dank für den Artikel »Ulbricht wird weggebetet«. Hoffentlich lesen ihn recht viele - vor allem die Pfarrer, die es angeht. Denn darin wird Herrn Professor Barth erfrischend deutlich bescheinigt, daß er unter das bekannte Wort fällt: Alter schützt vor Torheit nicht! Was Barth in seinem »Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik« ausführt, ist - wenn man diese Pfarrer genau kennt - einfach skandalös, und man fragt sich: Was bezweckt Barth damit? Fühlt er nicht, daß er mit seinem »Brief« den Kirchen in der Sowjetzone furchtbare Schwierigkeiten macht, die deutsche Wiedervereinigung böse torpediert und vermutlich in der DDR-Presse Jubelhymnen hervorruft? Professor Barth soll mal eine Pfarrstelle in der DDR für nur ein Jahr übernehmen - dann wäre der Bart gleich ab.

Denkendorf (Württ.)

HELMUT PETZOLD

Pfarrer i.R.

Ich hätte nie gedacht, daß theologische Belange einmal den Kern mehrerer SPIEGEL-Ausgaben ausmachten. Sie haben sich auf dieses glatte Parkett gewagt - nun informieren Sie uns bitte so objektiv, wie wir es zum Beispiel von Ihrem Literaturteil gewohnt sind. Dazu gehört auch, daß Sie uns die »technischen« Daten des Barth »Briefes"* nicht vorenthalten.

Dortmund

HELMA NICOLAS

Daß der SPIEGEL sich nicht scheut, die Argumente gegen Barth aus »Christ und Welt« und dem »Rheinischen Merkur« unbesehen zu kolportieren, offenbart seine erschreckende Gedankenlosigkeit, die mit einer blindwütigen Kritiksucht einhergeht und dabei nach dem Rezept verfährt, die Opposition mit den Argumenten der Regierung zu kritisieren und umgekehrt! Wie wäre es anders zu erklären, daß der SPIEGEL Mitte 1958 C. F. von Weizsäcker und Karl Jaspers den Prozeß machte, weil sie sich nicht entschieden auf die Seite der Atomkriegsgegner stellten, und daß derselbe SPIEGEL Anfang 1959 den als Atombewaffnungsbefürworter bekannten Propst Asmussen einen »weltkundigen« Mann nennt, um sich dessen Urteil über die »absichtlich weltfremden Thesen« Karl Barths zu eigen zu machen.

Hildesheim

EWALD HEIN-JANKE

Müßte nicht jeder ehrliche Christ selbst das überfällige Strafgericht über die Kirchen nicht nur nicht fürchten, sondern sogar wünschen und im Kommunismus womöglich das Werkzeug Gottes dazu sehen! So wahr Jerusalem damals gefallen ist, so wahr werden die Kirchen fallen. Sie haben sich religiös selbst ruiniert, mit Recht werden nur Ruinen von ihnen bleiben! Dafür wird unser politischer Papst und Antichrist schon sorgen. Nicht der Kommunismus, sondern die Kirchen sind der Untergang des Abendlandes.

Hamburg-Wandsbek

DR. K. KNÜPPEL

* Karl Barth: »Brief an einen Pfarrer in der Deutschen Demokratischen Republik«; Evangelischer Verlag AG, Zollikon (Schweiz); 46 Seiten; 3,10 Mark.

Barth

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