VERLAGE Bauer kämpft um »Tagesspiegel«
Einen heftigen Streit um den Berliner »Tagesspiegel« liefern sich die Verleger Stefan von Holtzbrinck und Heinz Bauer. Holtzbrinck hatte in den vergangenen Wochen die Unverkäuflichkeit seines defizitären »Tagesspiegel« zu beweisen, bevor Wirtschaftsminister Wolfgang Clement über dessen Zusammenschluss mit dem Konkurrenzblatt »Berliner Zeitung« entscheidet. »Die von Ihrem Haus aufgegebenen 'ernsthaften Verkaufsbemühungen' sind bisher nicht angestellt worden«, monieren Bauer-Juristen nun in einem Brief an Clement. Bauer hatte für das Blatt 20 Millionen Euro und eine Bestandsgarantie für fünf bis sieben Jahre geboten. Er sei bereit, »sich auch über den erwähnten Zeitraum hinaus zu binden«, beteuert der Hamburger Verlag nun. »Trotz der Enttäuschung über das bisherige Verfahren« wolle die Bauer-Gruppe an ihrem Interesse für den »Tagesspiegel« festhalten. Die Hamburger finden es »unverständlich«, dass die von Holtzbrinck beauftragte Bank Sal. Oppenheim in ihrer Offerte »kein tragfähiges unternehmerisches Konzept erkennen« konnte. Unterdessen verschärft auch Holtzbrinck seinen Ton. Das Bauer-Konzept beruhe auf einer »Fehleinschätzung der Marktverhältnisse in Berlin«, schreiben Holtzbrincks Anwälte an Clement. Holtzbrinck glaubt gar, dass es sich bei Bauers Angebot »um ein 'taktisches Manöver' im Fremdinteresse« handeln könne, und äußert »erhebliche Zweifel an der wahren Interessenlage des Bauer-Verlags«. Die Hamburger Gruppe habe kurz vor der ursprünglich auf den 13. Mai terminierten Ministerentscheidung »wahrheitswidrig behauptet, Bauer habe Holtzbrinck gegenüber bereits ein Kaufinteresse bekundet«. Einen weiteren »mutwilligen, aber auch durchsichtigen Versuch, das Ministererlaubnisverfahren zu stören«, habe es Mitte Juni gegeben, als Bauer dem SPIEGEL seine Kaufabsicht bestätigte. Wegen des Zoffs im Verlagslager braucht Clement offenkundig mehr Zeit: Eine Entscheidung über den »Tagesspiegel« ist frühestens im Herbst zu erwarten.