BAUM-SCHULE - DER SPIEGEL
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Briefe

BAUM-SCHULE
• aus DER SPIEGEL 49/1961
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BAUM-SCHULE

Nach meinem Empfinden wurden vor dem Holzmindener Schöffengericht die Verkehrten zur Verantwortung gezogen. Die drei Kameraden, welche den wegen eines geringfügigen Vergehens gefesselten und an einen Baum gebundenen Delinquenten befreiten, gehören wegen ihres menschlichen Verhaltens öffentlich belobigt, während die wahrhaft schuldigen »Dienstgrade« die ohne jede rechtliche Grundlage zu solch unerhörten, feigen Zuchtmethoden greifen, streng zu bestrafen sind. Ich meine, für solche »Himmelstoß-Naturen« sollte kein Platz in der deutschen Bundeswehr sein.

Regensburg L. EDER

Als ehemaliger Kamerad und Ausbilder des Pioniers Hundt in der Zeit von Januar bis Anfang April dieses Jahres möchte ich folgendes zu dem Fall sagen: Pionier Hundt war der schwierigste Mensch, der mir in meiner Dienstzeit begegnete. Unkameradschaftlichkeit, egozentrisches Wesen und ungewöhnlich schlechte Manieren fielen mir schon in den ersten Tagen auf, als Hundt in meinem Zug seine Grundausbildung absolvierte. Seine Stubenkameraden haben sich dauernd über ihn beschwert und ihm oft Schlage angedroht! Man hatte den Eindruck, daß er absichtlich immer auffallen wollte, nur deshalb, um im Mittelpunkt zu stehen. Ich glaube im Namen meiner alten Kameraden zu sprechen, wenn ich sage: Hundt verdient als Mensch größte Verachtung und paßte nie in unseren Kreis!

Beimerstetten (Ulm) PETER DRÜCK

Im Mai 1915 wurde ein kriegsfreiwilliger Gefreiter, der der gleichen Batterie wie ich angehörte, wegen einer lächerlichen Lappalie - ihm war ein widerspenstiges Pferd vorübergehend auf der Koppel ausgerissen - feldmarschmäßig verpackt, das heißt mit Helm und gerolltem Mantel, in der Batteriestellung an das Rad des Beobachtungswagens mit Zugseilen so fest angebunden, daß er sich nicht rühren konnte. So stand er stundenlang in der glühenden Hitze der Sandwüste an der Pilica, das Gesicht der Sonne zugewandt bis er »in den Seilen hing«. Er war daraufhin längere Zeit krank. Den Befehl zu dieser Mißhandlung hatte in diesem Falle nicht ein Unteroffizier, sondern der Batterieführer, ein aktiver Hauptmann, gegeben.

Bonn DR. H. DRAEGER

Die Strafe (am Baum festbinden) bestand tatsächlich bis 1916 und wurde dann als »beschämend und demütigend für die tapferen Soldaten im Kriege« aufgehoben, als das »Berliner Tageblatt« den Fall Helmhake aufgriff; dieser lag ähnlich wie der Fall Hundt, aber schlimmer, da der Gestrafte starb. Leider wurde die Strafe 1918, als allmählich alles drunter und drüber ging, von Hindenburg wiedereingeführt.

Frankfurt DR. ROBERT SIEGERT

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