Hausmitteilung Baumgartner / Islamisten / SPIEGEL WISSEN
Eberle, Tietz, Baumgartner
Foto: JÜRGEN FRANK / Der SpiegelDiesen Mann dürfe man keineswegs warten lassen, so schimpfte, drängte, mahnte die PR-Frau - doch Felix Baumgartner plauderte behaglich, nahm sich für das Gespräch mit dem SPIEGEL alle Zeit. In New York, in einem Fernsehstudio in Manhattan, trafen Lukas Eberle und Janko Tietz jenen Mann, der aus der Stratosphäre mit einem Fallschirm auf die Erde gesprungen war, und Baumgartner, in Jeans und Lederjacke, erzählte ihnen von den klaustrophobischen Attacken, unter denen er gelitten hatte, ausgelöst durch den Raumanzug. Er berichtete, wie viele Millionen der Sprung kostete, und er sprach von seinem neuen Leben als vielfacher Rekordhalter. Nach dem Interview musste Baumgartner sich sputen: Jener Mann, den man eigentlich nicht warten lassen durfte, auch für den SPIEGEL nicht, war Ban Ki Moon. Zum Umziehen blieb Baumgartner keine Zeit mehr, er traf den Generalsekretär der Uno in Jeans und Lederjacke (zum Artikel ).
Schon die Vorbereitungen für die Reise waren ungewöhnlich: Zunächst musste SPIEGEL-Mitarbeiter Paul Hyacinthe Mben, 39, auf dem Basar in Bamako, im westafrikanischen Mali, einen Turban erstehen, dann lernen, das Tuch auf gottgefällige Art zu wickeln, außerdem durfte er sich nicht mehr rasieren und musste wochenlang über Reiseroute und freies Geleit verhandeln - Mben wollte in den Norden seines Landes aufbrechen. Mali ist geteilt, und im Norden, in den Regionen um Timbuktu, regieren Islamisten, gilt die Scharia. Frauen müssen den Schleier tragen, und wer des Diebstahls als überführt gilt, dem wird die Hand abgehackt. Zweieinhalb Wochen bereiste Mben, liberaler Muslim, das Herz der Finsternis, stets in der Furcht, entführt oder getötet zu werden. Zurück in Bamako, umarmte Mben zuerst seine Ehefrau, der er lieber keine Details über seine Reise berichtet hat; dann trank er sein erstes Bier seit Wochen - im Reich der Islamisten kann ein Bier den Tod bedeuten (zum Artikel ).
Der Unternehmer Fritz Roth gilt als kreativster Mann in seiner Branche, in Bergisch Gladbach bei Köln betreibt Roth die »Gärten der Bestattung«, einen Privatfriedhof. Dort kann man die E-Gitarre des Verstorbenen auf dessen Grab stellen oder in den Stein einen QR-Code gravieren lassen, als Zugang zu einem Online-Film über das Leben des Toten. Für SPIEGEL WISSEN »Abschied nehmen - Vom Umgang mit dem Sterben« traf Redakteurin Annette Bruhns Roth zum Interview über die neue Friedhofskultur. Weitere Themen: Alltag in einem Hospiz, der Schriftsteller Martin Walser über das selbstbestimmte Ende. Bestattungsunternehmer Roth, selbst an Krebs erkrankt, wurde von Bruhns auch gefragt, ob er Wünsche für seine Beisetzung hinterlassen habe - was Roth verneinte: »Darum dürfen sich die Hinterbliebenen kümmern.« Das Heft erscheint am Dienstag dieser Woche.