ZENSUREN »Bedenklich«
In Münster, wo es entweder regnet oder die Kirchenglocken läuten, redigiert der Leiter der bischöflichen Pressestelle, Dr. Günter Graf, vierteljährlich einen von der katholischen »Arbeitsstelle für Zeitschriftenberatung e.V.« herausgegebenen »Zeitschriftendienst«. In diesem Zeitschriftendienst wird ein Teil der bundesrepublikanischen Presse (mit Begründungen) in die Kategorien »unbedenklich«, »tragbar«, »bedenklich« und »abzulehnen« eingeteilt.
Was dabei herauskommt, wenn Bilder, Texte und Anzeigen in Unterhaltungszeitschriften - politische Publikationen wie der SPIEGEL bleiben unberücksichtigt - mit der Münsteraner Elle »der Katholischen Glaubens- und Sittenlehre« gemessen werden, läßt die soeben erschienene zweite Ausgabe des Zeitschriftendienstes erkennen.
Von 43 begutachteten Objekten erhalten - neben drei konfessionellen Blättchen* - ganze zwei Zeitschriften das Prädikat »unbedenklich": »Gong - die radiowelt« und »Der Regenbogen«, Auflage 19 000.
Die deutsche Ausgabe des, amerikanischen »Reader's Digest« und die eidgenössische »Schweizer Illustrierte Zeitung« sind »tragbar«. Doch schon »Hör Zu« ("formale
und moralische Geringwertigkeit mancher Romane") und die »Elegante Welt« ("Propagierung eines veräußerlichten Lebensstils") erscheinen dem bischöflichen Pressewart in Münster »bedenklich«, ebenso die »Star -Revue« ("Dient eindeutig dem Starkult");
Das gleiche Schicksal widerfährt der Illustrierten »Der Stern« des-CDU-Bundestagsabgeordneten Gerd Bucerius: »... Stellungnahmen des Chefredakteurs zu grundsätzlichen Fragen lassen... in einzelnen Fällen eine Respektierung christlich-ethischer Maßstäbe vermissen.«
Noch schlimmer ergeht es der Illustrierten -Konkurrenz des »Stern« ohne prominente christdemokratische Verleger: Über die »Neue Illustrierte« ("läßt Takt, guten Geschmack und Sinn für die gute Sitte in der Regel vermissen") und »Revue« ("sexuelle Freizügigkeiten im Landser-Jargon werden als bare Selbstverständlichkeiten hingestellt") urteilt Münster: »Abzulehnen.«
Dieses harte Urteil traf die »Revue« trotz der Tatsache, daß in der Bilderzeitung regelmäßig Geistliche zu Wort kommen. Der »Zeitschriftendienst« findet: »Die seit September 1958 in jeder Ausgabe abwechselnd von einem katholischen und evangelischen Geistlichen verfaßten Bildbetrachtungen können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Redaktion ... diesem christlichen Aushängeschild lediglich einen isolierten Platz zugewiesen hat.«
Was das herbe Urteil »Abzulehnen« zu bedeuten hat, erklären die mitgelieferten Richtlinien des Zeitschriftendienstes: »Zeitschriften, die ... in ihrer Tendenz entweder unverkennbar kirchenfeindlich oder unmoralisch« sind. Im Anzeigenteil ist regelmäßig anstößige Werbung zu finden.«
Der im »Zentralkomitee der deutschen Katholiken« in Bad Godesberg, Hochkreuzallee, residierende erste Vorsitzende der katholischen »Arbeitsstelle für Zeitschriftenberatung e.V.«, Heinrich Köppler, erklärt zu den kreditschädigenden Werturteilen seines »Zeitschriftendienstes": Die Kirche »muß für sich ein umfassendes
Mitsorgerecht in allen Bereichen unseres politischen Lebens in Anspruch nehmen«.
Denn: »Die Entwicklung der Rechts- und Gesellschaftsordnung unseres modernen demokratischen Staates in der Bundesrepublik Deutschland hat ... zu einem neuen Verhältnis von Kirche zu Staat und Gesellschaft ... geführt.«
Es scheint allerdings, als seien die Bundesbürger solchen sittlichen Ansprüchen nicht gewachsen. Klagte die »Katholische Nachrichten-Agentur« (KNA) in einem Bericht über den »Zeitschriftendienst": »Zum Teil erhebliche Auflagensteigerungen in den letzten Monaten sind vornehmlich bei denjenigen Illustrierten und Wochenend-Zeitschriften zu verzeichnen, die nach wie vor abgelehnt oder bei denen zumindest Bedenken angemeldet werden.«
* »Katholischer Digest«; katholischer »Funk -Kalender« und »Der Feuerreiter«.
Pressewort Graf
Bei bedenklichen Publikationen ...