Beide einander wert - DER SPIEGEL
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Briefe

Beide einander wert
• aus DER SPIEGEL 30/1998
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Beide einander wert

Nr. 28/1998, Titel: Der Dichter und der Schwefelgelbe - Rudolf Augstein zum Bismarck- und Fontane-Jahr

Bismarck ist Teil der adlig-reaktionären und verhängnisvollen preußischen Pickelhauben-Politik des Krieges und der Unterdrückung freiheitlich-demokratischen Denkens, Fontane reiht sich als bedeutender Erzähler mit feiner Ironie ein in die bürgerlich-emanzipatorische Entwicklung der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. Größer kann der Unterschied zwischen zwei Zeitgenossen und zwischen Macht und Geist kaum sein.

HEILBRONN DR. ERHARD JÖST

Respekt und Kompliment - »Heros und Heulhuber« - Freilich: Würden Sie die CD »Bleib doch mein« gehört haben, eine Auswahl des Ehebriefwechsels auf Tonträger drei Jahre vor der Buchausgabe! - es wäre Ihnen und uns das Klischee Emilie erspart geblieben, das alle Biographen Fontanes voneinander abschrieben, als die Briefe der Frau noch als »verloren« galten. Seit »Bleib doch mein« wissen wir: Die Frau war mehr, und die beiden waren einander wert.

THALWIL AM ZÜRICHSEE GERT WESTPHAL

Mit Rücksicht auf die weite Verbreitung, die der SPIEGEL findet, möchte ich doch der immer wieder zu lesenden Anschauung widersprechen, es sei Bismarck gewesen, der Fontane, wie Augstein formuliert, nach seiner Gefangennahme in Frankreich »aus der Klemme« gerettet habe. Der geharnischte Brief Bismarcks an den amerikanischen Gesandten wurde erst am 29. Oktober 1870 geschrieben, an dem Tage, als Fontane Besançon in der Gewißheit verließ, vom Vorwurf der Spionage freigesprochen zu sein. Welche der verschiedenen inzwischen erfolgten Interventionen zugunsten Fontanes auch wirksam wurden, Bismarcks Brief hat nur seine milde Internierung - im Rang eines Officier supérieur - auf Oléron verkürzt. Letztlich verdanken wir es wohl dem französischen Militärgericht und dem Kardinal-Erzbischof von Besançon, Césaire Mathieu, daß wir Fontane als den großen Romancier und nicht als einen Literaten mittleren Ranges in Erinnerung haben - auf preußischer Seite wäre er, wie man ihm nach seiner Rückkehr versicherte, ohne Umstände erschossen worden.

HAMBURG PROF. DR. HELMUTH NÜRNBERGER

In dem außergewöhnlich interessanten Augsteinschen Titel heißt es, »Kerr notierte am 4. August in sein Tagebuch: .... Es mag ja sein und ist wohl auch wahrscheinlich, daß Kerr ein Tagebuch geführt hatte, aber das, was von Ihnen zitiert wird, las ich erst in diesen Tagen in dem im Aufbau-Verlag erschienenen Buch »Alfred Kerr - Wo liegt Berlin? - Briefe aus der Reichshauptstadt 1895 - 1900«.

NÜRNBERG DR. HANS SCHWARZMANN

Dem interessierten Leser zur Kenntnis: Die Grabstätte der Effi Briest beziehungsweise der Baronin von Ardenne befindet sich auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf bei Berlin. Das sehr schlichte Grab ist von der Einebnung bedroht. Mein Antrag auf Unterhaltung dieser literaturhistorisch bedeutsamen Grabstätte wurde von der zuständigen Berliner Senatsverwaltung noch nicht einmal beantwortet.

BERLIN NORBERT WILDING

In allen Kulturen der Menschheit ist das Sterbelager heilig. Die Hoheit des Todes verlangt Demut und Respekt und duldet keine Öffentlichkeit. Erbarmen mit uns Sterblichen, wenn dieses Tabu so würdelos und sinnlos verletzt werden kann.

AUMÜHLE (SCHLESW.-HOLST.) BETTINA BOLSEN

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