TAIWAN Beinharter Druck
Trotz wirtschaftlicher Annäherung zwischen Taiwan und China beharrt Peking politisch auf einem beinharten Alleinvertretungsanspruch. Zwar werden beide Länder künftig in der Welthandelsorganisation mit Sitz und Stimme vertreten sein. Und Taiwan hob - in dramatischer Abkehr vom langjährigen Kurs »Eile mit Weile« - vorige Woche Restriktionen für Direktinvestitionen auf dem Festland auf. Wo immer aber die Regierung Taiwans im Ausland diplomatische Unabhängigkeit zeigen will, interveniert die KP-Führung. Auf Druck Pekings verweigerte Frankreich jetzt Taiwans Präsident Chen Shui-bian einen Auftritt im Straßburger Europaparlament. Dort sollte das demokratisch gewählte Staatsoberhaupt den »Freiheitspreis« der Liberalen Internationale erhalten. Die renommierte Auszeichnung, mit der in der Vergangenheit unter anderen auch der deutsche Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher oder Tschechiens Václav Havel geehrt wurden, soll nun Chens Ehefrau Wu Shuchen stellvertretend in Empfang nehmen. Doch aus Furcht vor Pekinger Repressalien verband Paris den Kompromiss mit einer strikten Auflage: Die First Lady, die am Donnerstagmorgen in Frankreich eintreffen soll, muss das Land noch am selben Abend wieder verlassen.