BEIPROGRAMM
(Nr. 11/52, Film)
Nach der sogenannten Film-Umfrage 1952 des Instituts für Publizistik an der Universität Münster haben sich 43,9 Prozent aller befragten Kino-Besucher gegen jede Werbung in den Lichtspieltheatern und 24,9 Prozent für eine erhebliche Einschränkung ausgesprochen, aber 8,8 Prozent erklärt, daß sie die regelmäßige Vorführung von Kultur- und Dokumentar-Filmen im Beiprogramm wünschen. Angesichts dieser Zahlen kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, daß die übertriebene Werbung in den Lichtspiel-Theatern neben einer schweren Schädigung der deutschen Beiprogramm-Filmproduktion eine auf die Dauer unerträgliche Mißachtung des Publikumswillens darstellt. Daran vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, daß ich in dem in Ihrem Artikel »Das Plätschern der Etsch« erwähnten Geiselgasteiger Vortrag nicht behauptet habe, daß einzelne Lichtspieltheater-Besitzer 50 000 bis 100 000 DM pro Jahr an der Kino-Werbung verdienten, sondern nur von »Summen bis zu 50 000 DM« gesprochen habe. Es ändert daran auch nichts die Tatsache, daß die Reklame-Einnahme des von mir als Sonderfall erwähnten badischen Kinos nicht um 25 000 DM die jährliche Pachtsumme überschreitet, sondern »um 25 000 DM unter der jährlichen Pachtsumme von 100 000 DM bleibt«. 75 000 DM jährlicher Gewinn allein aus der Kino-Werbung ist immer noch ein sehr respektabler Betrag! Die Herren Lichtspieltheater-Besitzer, die bei jeder Gelegenheit gern die kulturelle Bedeutung ihres Gewerbes betonen, sollten endlich zeigen, daß es ihnen dabei nicht nur um schöne Worte geht, und die Kino-Werbung wieder auf das vernünftige, vor dem Krieg beobachtete Maß zurückführen. Sie würden mit einer solchen Beschränkung nicht nur der deutschen Beiprogramm-Filmproduktion in ihrem gegenwärtigen Existenzkampf helfen, sondern vor allem auch ein Stück »Dienst am Kunden« leisten, für das ihnen die große Mehrheit der Kinobesucher bestimmt dankbar wäre.
München-Geiselgasteig
J. Pindter Südwest-Film