Bestrafungsprogramm
(Nr. 47/1996, Lufthansa: Die neue Business-Klasse verärgert die Großkunden)
Lufthansa-Flug Mailand-Hamburg am Donnerstag, 21. November: Kaum abgehoben, bohrte sich ein polarer Kühlstrahl die feuchten Waden aufwärts. Auf dem Teller mit dem aufgetauten Brötchen langweilten sich dunkel-violette Gummidichtungen - pardon: Olivenringe. Ein zweites Getränk wurde zum Essen nicht angeboten. Und der einzige Unterschied zwischen Business- und Holzklasse bestand in einem Begrüßungs-O-Saft und einem weißen Tischdeckchen. Das Platzangebot ist für beide Klassen gleich miserabel.
Hamburg PETER HESSELER
Die Lufthansa weigert sich einzusehen, daß die Fluggäste innerhalb der Bundesrepublik einfach preiswert fliegen wollen und gerne auf den »gereichten Regenschirm« beim neuen Business-Class-Service verzichten. Statt Kosten und Preise zu senken, hat man sich ein »Bestrafungsprogramm« für Economy-Class-Kunden ausgedacht. Es ist ein Skandal, wenn ich durch die neue Regelung als Economy-Passagier den bisherigen Ticketpreis zahle, dafür aber nun zehn Minuten früher am Flughafen sein muß. Wie kann eine Fluggesellschaft ihren Service absichtlich verschlechtern und dafür dasselbe Geld verlangen? Tolle »Dienstleistungsoffensive«. Vielleicht wird die Lufthansa jetzt noch einmal die Passagiere zu absurden innerdeutschen und europäischen Flugpreisen auf ihre Maschinen zwingen können. Langfristig wird sie durch die von Ihnen beschriebenen Maßnahmen sehr viele Kunden noch weiter verärgern. In Deutschland warten immer mehr Fluggäste händeringend auf eine echte Alternative zur Lufthansa.
Berlin FRANK FARENSKI