INDIEN Bhagwan-Erbe spaltet Gefolgschaft
Zehn Jahre nach dem Tod von Bhagwan Shree Rajneesh droht ein Machtkampf das weltweite Reich des indischen Gurus zu entzweien - eine missliche Nachricht auch für deutsche Sinnsucher, die noch immer eine der stärksten Gruppen im Reich der »Orange People« von Poona sind. Zwei der ehemals engsten Vertrauten des Gurus, seine Sekretärin Ma Yoga Neelam und Sprecher Chaitanya Keerti, behaupten, ihnen hätten Mitglieder des mächtigen »Inneren Führungskreises« den Eintritt in das großzügig angelegte Hauptquartier der Kommune verweigert. Neelam, Keerti und eine Reihe anderer Veteranen hatten in den indischen Medien Kritik an den Plänen des kanadischen Ashram-Chefs Swami Jayesh geübt, das wirtschaftliche Zentrum der Gemeinde ins Ausland zu verlagern. Nach Informationen des Magazins »India Today« dürfen Bhagwan-Anhänger das Wort des Meisters, der sich zuletzt »Osho« nannte ("Gesegneter, auf den der Himmel Blumen regnen lässt"), nur noch gegen Gebühr vertreiben - und kaum etwas von den Einkünften bleibt in Indien: Tantiemen für 1500 Bücher in 40 Sprachen und 400 Audiokassetten sind an die Firma Osho International in New York zu entrichten, Ableger einer Schweizer Stiftung gleichen Namens. Anhänger befürchten nun, dass die gesamte Kontrolle über das Bhagwan-Vermögen - 750 Meditationszentren in 80 Ländern, seine mit Diamanten verzierten Accessoires und die Rolls-Royce-Flotte - in die Hände geschäftstüchtiger »Westler« geraten könnte. 15 Mitglieder - darunter auch die 1978 mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnete Autorin Elfie Donnelly - haben seit dem Tod des Meisters den Inneren Kreis der 21 Führungskräfte in Poona verlassen. Swami Ganja Vedant, ein langjähriger Anhänger, sagt: »Habgier verbreitet sich wie Krebs in unserer Kommune.« Die Dissidenten wollen Gerichte und Politiker bemühen.