Big Spender - DER SPIEGEL
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Big Spender

• aus DER SPIEGEL 18/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ob die Wildecker Herzbuben musizieren oder der karamellisierte Gemütsgeiger André Rieu, ob die 429. Mallorca-Reportage nackte Hintern am Ballermann vorzeigt oder »Big Brother«-Schwester Sabrina ihren Großraum-Busen - durch ein Flächen-Bombardement der Trivialitäten, so klagen die Kulturkritiker, verblöde das total kommerzialisierte TV die Kundschaft.

In Wahrheit aber ist das Fernsehen das Medium der Bereicherung. Auch um das zu beweisen, hob Kai Pflaume, Kuschel-Prinz des Familiensenders Sat 1, an diesem Sonntag eine Show aus der Taufe, die schon im Titel Wunderbares verheißt: In »Die Chance deines Lebens« soll der siegreiche Kandidat mit 10 Millionen Mark von dannen ziehen dürfen - und Voraussetzung dafür scheint nicht viel mehr zu sein als die Fähigkeit, stotterfrei und grammatikalisch akzeptabel zu Fragen der Allgemeinbildung Stellung zu nehmen. Wahnsinn! Der große Bruder als Big Spender.

Einerseits erinnert dies an das selige »EWG«-Quiz des smarten Kuli und den »Großen Preis« des tutigen Wim Thoelke - auch wenn die nur Peanuts von 10 000 Mark verteilten. Andererseits lässt Pflaumes Chancen-Show auf ein Comeback des Bildungsfernsehens hoffen. Fragt sich nur: Finden sich nach zehn Jahren privaten Blödel-TVs noch Kandidaten, die korrekt auf Fragen jenseits von »Wann hatten sie zuletzt guten Sex?« antworten können? Wird also überhaupt jemand die Giga-Knete gewinnen? Im Zeitalter der Fernseh-Ferkelei verzweifelt gesucht: Schweinchen Schlau.

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