BINDING-KULTUR
Aus Anlaß der Herausgabe von Rudolf G. Bindings »Briefen« widmeten Sie dem Paradepferd »vornehmer deutscher Dichtung« acht Spalten Ihres kulturellen Teils. Das hat sicher nicht nur die Freunde Bindings erfreut, sondern auch all die vielen, die immer gern etwas über die NS-Zeit lesen. Für die anderen aber wäre wohl etwas weniger mehr gewesen. Denn letzten Endes erfuhr man doch nur, daß es im Dritten Reich auch auf dem kulturellen Sektor nicht anders war als in allen anderen autoritär regierten Staaten. Und über Binding speziell, daß er als politischer Durchschnittsbürger leider seinen gelegentlichen Ahnungen kommenden Unheils nicht genügend Nachdruck und Ausdruck verleihen konnte.
Kiel FRITZ PEPER
Bindings Schreiben an den Reichsinnenminister Wilhelm Frick wegen einer Ehrung Thomas Manns kann auf einer Absprache beruhen. Frick soll tatsächlich die Absicht im treudeutschen Busen gehegt haben, Thomas Mann zur »Ehrensäule« des deutschen Schrifttums zu machen. Aber da schoß der hinkende Mephisto vom Berliner Wilhelmplatz dazwischen ...
Memmingen HEINZ DRESSLER
»Mein Standpunkt ist, daß der Nationalsozialismus verwirklicht werde, weil er in der Tat nach seiner Idee dem am nächsten kommt was ich vom Staate als einer lebendigen Realität erwarte und fordern würde: nämlich eine Erfüllung des Lebens durch ihn.« Diesen verquollenen Brei hat Binding geschrieben?
Niemals war der Staat beauftragt, das Leben der einzelnen zu erfüllen. Er hatte es nur zu schützen. Dieser Unsinn hat aber eine erhabene Quelle - er stammt nämlich von Hitler. Wenn ein Dichter von einigen Graden nicht dahintersieht, daß seit 1789 ein gottloser Schwindel mit dem vom Staat verliehenen Glück getrieben wird, dann hat der besagte Dichter nicht viel politischen Instinkt besessen.
Bremen GERHARD OLDENBURG
Warum Binding plötzlich zu einem Politikum machen? Man lese »Moselfahrt aus Liebeskummer« oder »Reitvorschrift für eine Geliebte« und genieße noch einmal mit, wie ein älterer Herr die Flasche aber auch bis auf den allerletzten Tropfen leert.
Hamburg 13 ANTON FLIEGNER