BLECHTROMMLER - DER SPIEGEL
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Briefe

BLECHTROMMLER
• aus DER SPIEGEL 33/1965
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BLECHTROMMLER

All die christ- und freidemokratischen Politiker, die über Graß und seine Tournee zugunsten der SPD hergefallen sind, sind doch nur neidisch, weil zu ihren Versammlungen nur ein paar Dutzend engstirnige Parteifreunde und resonanzlose Rentner kommen, während Graß in überfüllten Sälen zur jungen Intelligenz unseres Volkes sprechen kann.

Kiel HORST BRÜCHMANN

Es ehrt Willy Brandt, daß er nicht wie Ludwig Erhard, der durch das Bundespresseamt Anzeigenserien und Werbefilme mit Steuermitteln herstellen und vertreiben läßt, das Senatspresseamt

anzapft, sondern Freunde hat, die - wie Graß - unentgeltlich für ihn über Land gehen und dabei ein »Loblied auf Willy« singen.

Ulm FRANZ BAYERLE

Graß ist kein offizieller Parteiredner der SPD, ja er ist noch nicht einmal Mitglied dieser Partei. Und trotzdem wirbt er für die SPD, er bekennt sich als Demokrat zu einer politischen Partei. Hut ab vor solch einem Mann! Dieser Mann zeigt Mut, weil er Farbe bekennt. Es wäre um Deutschland besser bestellt, wenn mehr Intellektuelle Farbe bekennen würden.

Oldenburg KARL-HEINZ LIST

Unverständlich, daß der trotzdem verehrte Günter Graß für die SPD, die gleich der CDU mit gebrochenem Ruder im Gegenwind kreuzt, auf Werbereise geht. Ein Zeichen, daß auch bei der »Elite« Verblendung die Regel, böser Wille die Ausnahme ist.

Gelsenkirchen RICHARD LIMPERT

Graß ist mir schon deshalb sympathisch, weil er, im Gegensatz zu Herrn Walden ("Quick") und anderen Herren, nicht nur anklagt und verurteilt, sondern auch versucht, neue Wege zu finden, und diese beschreitet. Und das dürfte doch in der nächsten Zeit ausschlaggebend sein: nämlich neue Gedanken zu entwickeln, neue Wege zu beschreiten, realistisch und ehrlich zu sein. Solche Leute wie Graß, mit einer solchen Energie und Initiative, müßten in die Regierung.

Koblenz KURT SETZ

Ich habe Herrn Graß in der Aachener Technischen Hochschule eine Stunde zugehört. Es wurde viel gezischt und - viel geklatscht. Geklatscht wurde, wenn er etwas über die jetzige Regierung sagte (schließlich war es nichts Gutes); gezischt wurde, wenn er etwas zum Lobe von Willy Brandt sagte. Nun ist es sicherlich nicht schwierig, etwas zum Lobe dieses Mannes zu sagen. Ein wenig lächerlich war es, wie Herr Graß seinen Willy belobte.

Aachen HELMUT KRAUSS

Ich hatte Gelegenheit, Günter Graß in Münster zu hören. Immerhin: Seit fünf Jahren werde ich wieder wählen, aber bestimmt nicht die SPD.

Münster RUTH MOELLER

... übersende ich Ihnen den folgenden Text, der der vom Berliner SPD-Landesvorstand herausgegebenen Wochenzeitung »Berliner Stimme« entnommen ist:

Günter Graß unterstützt lediglich auf seine Art den Mann, den er für am besten halt, das Kanzleramt zu übernehmen. Der Beschenkte hat davon nicht etwa nur Vorteile. Manch braver Bürger hält nämlich den reisenden Blechtrommler für ein ,Schwein' und meint er könne keine Partei wählen, die sich dieser niedersten Kreatur bedient. Wir denken anders, dürfen aber die Argumente der Graß-Gegner nicht aus dem Auge verlieren - vor allem nicht deren mögliche Auswirkungen.

Berlin GUNTHER KÖHRICH

Wenn Männer wie Günter Graß ihre Blechtrommel für die Es-Pe-De rühren, dann fragt man sich, was uns nach einem Wahlsieg der SPD erwartet: Hundejahre, oder wird mit dem Deutschen Volke Katz und Maus gespielt?

Montabaur (Rheinl.-Pfalz) JOSEF BECKER

Süddeutsche Zeitung

Wahlarie La Grassionata

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