Blendender Einfall - DER SPIEGEL
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ARCHITEKTUR Blendender Einfall

Die Deutsche Bank in Frankfurt hat ein Spiegelproblem. *
• aus DER SPIEGEL 15/1985
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Von ihrem neuen Superbau in der Frankfurter City schwärmen die Deutschen Banker in den höchsten Tönen.

Besonders angetan sind die Bankleute von der Fassade des 155 Meter hohen Wolkenkratzers - zweimal vierzig Geschosse, rund 50 000 Quadratmeter aus verspiegeltem Glas. Der Riesenbau wirke so »leicht«, gar »nicht wie ein Hochhaus im üblichen Sinne«, jubelt ein Bankprospekt.

Lokalzeitungen am Ort stimmten in das Entzücken ein. »Phantastisch«, lobte die »Abendpost«. Die »Frankfurter Rundschau« blickte in »Frankfurts größten Spiegel«, und die »Neue Presse« meinte, die Türme sähen »einfach blendend« aus.

Autofahrer, die bei Sonnenschein die Zwillingstürme passieren, können das bestätigen.

»Das knallt dir ins Auge«, berichtet ein Taxifahrer, »hell wie tausend Sonnen.« Auch Banknachbarn im Westend, den Bewohnern der Klüber- und der Guiolettstraße, gehen bei schönem Wetter die Augen über. »Ich trage in meiner Wohnung oft eine Sonnenbrille«, klagt eine Banknachbarin, »sonst tun mir die Augen weh.«

In dem blendenden Bankhaus weiß man seit langem von dem »Spiegelproblem«, so Banksprecher Bernhard Schmaltz. An einem Julitag 1983 hatte es den Autofahrer Friedrich Rode plötzlich »grell wie vom Blitz getroffen«, als er auf das hohe Haus zufuhr. Dann wurde ihm minutenlang schwarz vor Augen: »Der Blendeffekt war irre.«

Rode erstattete Anzeige, und Polizeibeamte hatten bei einer Testfahrt die gleiche Erscheinung. An einer banknahen Ampelanlage übersahen sie fast das Rotlicht.

Der Polizeipräsident alarmierte das Straßenverkehrsamt, das seinerseits den Blendeffekt konstatierte und die Bauaufsicht zum Einschreiten aufforderte. Verkehrsamtsleiter Igor Vogt: »Jeder Autofahrer wird mal geblendet, aber hier ist die Verkehrssicherheit erheblich beeinträchtigt.«

Die Deutsche Bank ließ bei den Frankfurter Behörden anfangs »keinen Zweifel« aufkommen, daß die Fassadenfrage »von uns sehr ernst genommen wird« (Schmaltz). Untersuchungen von Architekten, Bauaufsicht und Bank ergaben, daß vor allem die schräge Glasverkleidung am Basement der Zwillingstürme (Volksmund: »Soll und Haben") die Sonne intensiv abstrahlt.

Doch wie das Blendwerk abzudunkeln sei, darüber hob großer Streit an. Das Ansinnen der Bauaufsicht, das reflektierende Glas müsse irgendwie »entspiegelt« werden, konterte Architekt Walter Hanig - eine Entspiegelung, etwa durch aufklebbare Folien, komme nicht in Frage: »Das ist eben ein Glashaus.«

Die Bankbauherren argumentierten weltläufig. In Amerika, ob in Dallas oder Frisco, störe sich keiner an Spiegelfassaden, sagte Bankvorstand Hilmar Kopper. Die Frankfurter müßten sich eben erst daran gewöhnen. Sicherheitsgefährdende Reflexe an ihrem Hochhaus, so wollten die Banker erkannt haben, beschränkten sich doch bloß auf sonnige Tage und auch dann nur auf die Sommermonate Juni, Juli, August.

Um das Phänomen genau beurteilen zu können, gab die Deutsche Bank bei den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach ein Gutachten in Auftrag. Es kommt zu einem anderen Schluß. Danach kann der Blendeffekt, so Experte Günter Jurksch, praktisch jeden Tag auftreten, auch morgens und am Nachmittag - je nachdem »wie die Spiegel die Sonnenstrahlen empfangen und sie reflektieren«.

Ein von der Bauaufsicht bereits 1983 vom Architekten angefordertes Gutachten zur Entspiegelung steht noch aus. Amtsleiter Dieter Lortz: »Noch fehlt der blendende Einfall.«

Allerdings wurden seit letztem Herbst zehn Meter hohe Platanen vor die Glas-Kathedralen gepflanzt, die sich bis zu einer Höhe von etwa 20 Metern auswachsen können. Bankiers und Architekten hoffen, daß die Bäume schon in zwei Jahren mit ihrem Blattwerk Blendschutz bieten.

Die Platanen stehen freilich nur vor dem Bankriesen. Den Anwohnern auf der Rückseite der Bank fallen die Sonnenstrahlen weiterhin gebündelt wie Blitze in die Fenster. Das Geldhaus hat diesen Nachbarn angeboten, auf Banckosten Sonnenschutz-Rollos zu installieren.

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