Blinder Eifer
(Nr. 32/1994, Ruanda: Jürgen Neffe über den Einsatz von »Care Deutschland« in Goma)
In dem Bericht war zu lesen, daß ich als Gesamtleiter der Gruppe in Goma »abgelöst« worden sei. Dies ist nicht richtig. Durch schwere Darmkrankheit bedingt, bin ich noch in tropenmedizinischer Behandlung. Ich habe mit Schreiben an Dr. Klaus Nöldner ("Care DT") um Pflichtentbindung auf Widerruf gebeten. Nach meiner Genesung werde ich wieder zu Hilfsaktionen nach Ruanda zurückkehren. Im übrigen lag die Gesamtorganisation ausschließlich bei Care DT, so daß kein großer logistischer Spielraum gegeben war. Dies galt auch für das »Auftreten« gegenüber den vor Ort anwesenden Organisationen. *UNTERSCHRIFT: München DR. HANS-PETER LEGAL
Blinder Eifer schadet nur. Care hat durch die Profilneurose seines Geschäftsführers nicht nur sich selbst großen Schaden zugefügt, sondern auch anderen verantwortungsvollen Hilfsorganisationen. *UNTERSCHRIFT: Köln SABINE JOO
Heute verstehen sich viele Hilfsorganisationen als Konkurrenten, weil die Leitungen zum Teil nicht in der Lage sind, sich auf ihre Aufgabe der gemeinsamen Krisenbewältigung zu konzentrieren, sondern ihren psychopathologischen Selbstdarstellungsdrang und ihre Machtausübung pflegen. *UNTERSCHRIFT: Berlin THOMAS KOHLSTEDT
Bei dem Ruanda-Einsatz verfuhr Care DT gemeinsam mit dem Hartmannbund nach dem Motto »Um jeden Preis dabeisein. Irgendwie wird es schon gutgehen.« Doch Katastrophentouristen benötigen weder Flüchtlingslager noch die betroffene Bevölkerung in Ruanda. Tatsächliche Partnerschaft in der Katastrophenhilfe und Projektzusammenarbeit werden in der Zukunft die wichtigsten Elemente für eine sinnvolle Entwicklungshilfe in Afrika sein. *UNTERSCHRIFT: Filderstadt (Bad.-Württ.) PETER DÜRNER Leiter eines basismedizinischen Hilfsprojekts in Somalia