LIBANON / FALSCHGELD Blüten vom Bischof
Bischof Abdallah Noujaim trat mit Füßen, wehrte sich mit Fausthieben und fluchte laut. Zwei Interpol-Beamte fischten in seinen Gewändern und wurden fündig. Unter der Soutane -- versteht in eingenähten Taschen -- fanden sie falsche Dollarnoten im Wert von 370 000 Mark.
Festnehmen mochten die Polizisten den Falschgeld-Bischof nicht. Denn er ist einer der neun Oberhirten der Maroniten-Kirche im Libanon, einem nahöstlichen Ableger der katholischen Kirche. Die rund 400 000 Gläubigen des Landes kannten und bewunderten den Diener Gottes. In seinem Amtsbezirk Bekaa, dem Land zwischen Libanon und Antilibanon fließen nach der Bibel »Milch und Honig«.
Monsignore Abdallah Noujaim versicherte den Polizei-Beamten, er werde ihnen bei der Aufklärung der unglücklichen Geschichte behilflich sein und am folgenden Morgen zur Verfügung stehen.
Am folgenden Morgen war der Bischof jedoch nicht auf dem Polizeipräsidium von Beirut, sondern auf dem Weg nach Rom. Der Apostolische Nuntius im Libanon hatte ihm einen vatikanischen Diplomatenpaß ausstellen lassen.
Die Jagd auf den geistlichen Falschmünzer endete an den Mauern des Vatikan. Sie hatte in Jordanien begonnen. Dort informierte der Finanzmakler Hamze Kurd seine Regierung Anfang 1966 darüber, daß die ständig im Lande auftauchenden »Blüten« (so heißt das Falschgeld im Fachjargon)- jordanischer Währung offensichtlich im Libanon hergestellt würden. Die internationale Polizeiorganisation Interpol und die libanesische Polizei wurden um Mithilfe bei der Fahndung nach den Fälschern gebeten.
Hamze Kurd stellte sich als Köder zur Verfügung. Er quartierte sich im luxuriösen Beiruter Hotel »Phoenicia« ein und bohrte über Mittelsmänner die Falschgeldquelle an.
Der große Fisch biß an. Nach den ersten Kontakten kam der Bischof persönlich. Die »Blüten« verbarg er in seinem Gewand.
Nach der Rom-Flucht des Bischofs entdeckte die Polizei, daß der fromme Mann Chef eines Falschmünzer-Rings gewesen war, der über 200 000 nachgemachte Dollar in den Handel gebracht hatte. Die »Blüten« wurden in den Klosterkellern des Gottesdieners gepflückt.
Die libanesische Regierung wollte den Fall mit der Flucht des Bischofs begraben. Der Staatspräsident des Libanon wird von den Maroniten nominiert, obschon nur 44 Prozent der Libanesen Maroniten sind. Die Presse wurde aufgefordert, über die Nebenbeschäftigung des Geistlichen zu schweigen.
Die mohammedanischen Zeitungen des (mehrheitlich mohammedanischen) Landes aber wollten Sühne für die Taten des Christen. Sie forderten eine gerichtliche Untersuchung gegen ihn und setzten sie durch.
Da der geistliche Haupttäter nicht aus dem römischen Exil zurückkehrte, wurde er jetzt in Abwesenheit zu sieben Jahren Arbeitslager verurteilt und verlor die libanesische Staatsbürgerschaft. Sein gesamter Besitz wurde beschlagnahmt -- darunter zwei komplette Druckereien.
* Links der frühere libanesische Staatschef Schamun.