Blutgrätsche - DER SPIEGEL
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Am Rande Blutgrätsche

• aus DER SPIEGEL 24/1998
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gut drei Monate bis zur Bundestagswahl, noch zwei Tage bis zur Fußballweltmeisterschaft, und alle Fragen offen: Wer wird der nächste Kanzler, spielen Olaf Thon und Lothar Matthäus zusammen im Nationalteam, und wer stoppt eigentlich den Regierungssprecher, den offiziellen »Struuunz« der Bundesregierung? Doch von kommendem Mittwoch an geht es nur noch um vermurkste Dropkicks vom Strafraumrand, mißlungene Steilpässe und die Beine von Ronaldo. Wie soll da die Aufmerksamkeit der Wähler für die großartigen Leistungen der Regierung gerettet, wie soll Kohl gegen Bierhoff an den Ball und in eine auch nur halbwegs aussichtsreiche Schußposition gebracht werden?

Hat die Bundespressekonferenz in Bonn irgendeine Chance gegen das WM-Studio in Paris? Gut, der Kanzler sieht einem Fußball immer noch ähnlicher als sein Herausforderer - aber ob das reicht? Wohl deshalb bildet sich im Konrad-Adenauer-Haus in hektischer Torschlußpanik die infernale Dreierkette: Hauser, Hintze, Tiedje - der Volkssturm auf der Suche nach der allerletzten Chance. Statt der gefloppten Propaganda des »roten Händedrucks« - wer weiß schon noch, wo Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl gespielt haben - plant man nun das Motiv »Blutgrätsche gegen Deutschland - mit der SPD kommt der Absturz in die Zweitklassigkeit!« Noch ist unbekannt, wie die Sozialdemokraten reagieren werden. Mögliche Antwort: Mario Basler und Mehmet Scholl werden ins SPD-Schattenkabinett aufgenommen. Und, wegen der Frauenquote: Martina Effenberg.

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