TSCHETSCHENIEN Blutige Rivalität
Nach dem verheerenden Bombenanschlag am vergangenen Freitag auf das Regierungsgebäude in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny steht Russlands Präsident Wladimir Putin vor der größten Herausforderung seit der Geiselnahme im »Nord-Ost«-Musicaltheater Ende Oktober durch kaukasische Terroristen. Bei der Attacke auf die vom Kreml eingesetzte Verwaltung nutzten die Täter rund eine Tonne Dynamit, töteten mindestens 46 Menschen und verletzten mehr als 70. Der viergeschossige Bau, das größte und modernste Gebäude der Republik Tschetschenien, wurde weitgehend zerstört. Russische Geheimdienste beschuldigen den muslimischen Extremisten Abu al-Walid, Vizekommandeur der Untergrund-Rebellen, den Anschlag von Grosny organisiert zu haben. Der Saudi-Araber und mutmaßliche Bin-Laden-Freund gilt als Rivale des um Verhandlungen mit Russland bemühten Tschetschenen-Führers Aslan Maschadow. Mit dem Anschlag haben sich Hoffnungen des Kreml zerschlagen, die Lage in Tschetschenien stabilisieren und durch Zusammenarbeit mit Kollaborateuren eine politische Lösung des Konflikts simulieren zu können. Fraglich ist nach dem Terrorakt auch, ob die von Präsident Putin angeordnete und für März geplante Volksabstimmung über eine tschetschenische Verfassung noch zu halten ist.