Bocklose Ballquäler
Nr. 26/2000, Fußball: Das deutsche Debakel - und keine Folgen?
Wenn ich nach einem Einkauf zu viel Wechselgeld in meiner Hosentasche verstaut habe, dann fällt mir neuerdings unsere Nationalmannschaft ein: Mit einem zu dicken Portemonnaie kann man nämlich verdammt schlecht laufen.
WERDOHL (NRDRH.-WESTF.) DIRK HOFFMANN
Wenn ich mir dies erbärmliche Auftreten der Deutschen Fußballnationalelf vor, während und nach der EM und diesen erbärmlichen Dilettantismus in der DFB-Führungsetage ansehe, fällt mir ein alter Ausspruch meiner Großmutter ein: »Setz einem Dummkopf eine Pappkrone auf den Kopf, und schon glaubt der, er wäre der Kaiser.«
SCHWELM (NRDRH.-WESTF.) JOCHEN KEHR
Ein Herr Beckenbauer hat den guten alten Trainingsanzug vom Spielfeldrand verbannt und die Nadelstreifen eingeführt. Auch mit dieser naseweisen Überbewertung der schönsten Nebensache der Welt wurde der Beginn vom Ende des deutschen Fußballs eingeleitet, der inzwischen alles ist, nur eines nicht: Sport. Übrig geblieben sind mittlerweile Spieler und Funktionäre, die vor allem eines beherrschen: sich das Geld in die Nasenlöcher regnen zu lassen.
MAGDEBURG HANS-PETER WANNEWITZ
Eine (deutsche) Fußballnationalmannschaft macht schon darum keinen Sinn mehr, weil der Begriff »Nation« diskreditiert ist. Nationales ist »out«. Was also sollte junge Fußballspieler in diesem Land dazu bewegen, mit Herz, Schweiß oder gar Ehrgefühl einem Begriff zu huldigen, dessen Verständnis sie längst entbehren?
BERLIN JÖRG MÜCKLER
Das Verhalten der deutschen Spieler ist ein Spiegelbild der Arbeitsweise in vielen Industrieunternehmen: »Teamgeist? Ja, bitte! Aber nicht auf meine Kostenstelle!« Was die Nationalkicker nur vergessen haben: Lustlose Balltreter taugen nicht zum Vorbild und damit auch nicht zum Werbeträger. Womit sich das eigene unternehmerische Kurzfrist-Denken wieder selbst ad absurdum führt, wie in vielen Industrieunternehmen.
KASSEL DIETER KÜHNE
Im Grunde genommen haben die bocklosen Ballquäler des deutschen Teams kein anderes Bild geboten, als man es (mit zugegebenen Ausnahmen) seit etwa 20 Jahren gewohnt ist. Nur hat diesmal auch noch das Quäntchen unverdienten Glücks, das sonst das Weiterkommen ermöglichte, gefehlt.
ELMENHORST (SCHLESW.-HOLST.)
DIETMAR BRUMMACK