DEA-KURSSTURZ BÖRSE
Landedelmann Ferry von Berghes,
Generaldirektor des Energiekonzerns Deutsche Erdöl-AG (Dea) in Hamburg, kann es sich nur so erklären: »Da wird ein verdammtes Spiel getrieben.«
In der 34. Börsenwoche dieses Jahres hatten seine Aktionäre Papiere im Nennwert von 797 000 Mark abgestoßen. In der 35. Börsenwoche - vom 23. bis 27. August - waren es sogar Aktien mit 1,629 Millionen Mark Nennwert.
Die Kurse sackten deshalb ständig ab: Im April 1964 noch mit 295 und Anfang 1965 mit 180 Punkten notiert, war die Dea-Aktie am 26. August 1965 bei 104 angelangt. Pro Papier hatten mithin die Aktionäre innerhalb von knapp eineinhalb Jahren fast 200 Mark eingebüßt.
Obwohl die Banken den Kurs durch Stützungskäufe in der vergangenen Woche ein wenig erhöhen konnten, hält das Dea-Papier mit einer Kursschrumpfung um fast zwei Drittel in jüngster Zeit an der westdeutschen Börse einen traurigen Rekord. Deas Kurssturz war die Folge von Gerüchten, die unter den Börsenprofis seit Mitte des Jahres umliefen, bis der Aktionärs-Informationsdienst »Frankfurter Börsenbriefe« sie schwarz auf weiß verkündete: »Schlechte Nachrichten ... aus Hamburg. Dort halten sich hartnäckig Gerüchte über einen völligen Dividendenausfall bei Dea.«
Das Spiel des Dividendenprophezeiens war ein Jahr zuvor vom Dea-Generaldirektor selbst eingeleitet worden. Im Mai 1964 hatte von Berghes seinen 70 000 Aktionären versichert, sie könnten für das Geschäftsjahr 1964 wieder zehn Prozent Dividende« erwarten. Monatelang hielt die Dea-Verwaltung die optimistische Ankündigung aufrecht und wiegte die Aktionäre in Sicherheit.
In der Zwischenzeit aber schmolz der Heizölpreis von 13,2 Pfennig Mitte 1963 auf 9,9 Pfennig im Jahre 1964 zusammen. Dadurch erzielte die Gesellschaft im Geschäftsjahr 1964 rund 45 Millionen Mark weniger Erlös.
Auf der Hauptversammlung am 1. Juli 1965 mußte von Berghes bekennen: »Wir haben uns geirrt, daran wollen wir nicht vorbeireden.« Statt der versprochenen zehn gab es nur sechs Prozent Dividende.
Auch über das Dea-Geschäftsjahr 1965 hörten Börsianer und Aktionäre nichts Gutes. Zwar sind die Ölpreise leicht gestiegen, dafür aber haben sich die Kohlehalden auf eine Million Tonnen erhöht. Bei den Dea-Zechen Rheinpreußen und Graf Bismarck lagern Koks und Kohle im Wert von 60 Millionen Mark.
Dazu wirkt der Bonner Plan, westdeutsche Ölfirmen wie Dea, Preußag und Aral zu einer Art Notgemeinschaft zusammenzuschließen, auf Kurse und Nerven an der Börse. Und Ferry von Berghes traut sich nicht, den Gerüchtenebel durch die Ankündigung einer,
wenn auch niedrigeren Dividende als sechs Prozent zu durchstoßen.
Der Landedelmann, dessen Familie in vierter Generation am Dea-Kapital beteiligt ist, klagt: »Ich habe mir einmal die Finger verbrannt; ich werde den Teufel tun und noch eine Dividende prophezeien.«
Dea-Chef von Berghes
»Wir haben uns geirrt«