Bonner Hilfe für die KWU
Bonns Forschungsminister Volker Hauff drückte sich vor einer Entscheidung. Während seines zweitägigen Spanien-Besuches in der vergangenen Woche wollten ihn Offizielle der spanischen Energiebehörde überreden, die Gelder für den Bau des größten Sonnenkraftwerkes der Welt im Südwesten der Iberischen Halbinsel zu bewilligen.
Die Spanier präsentierten dem überraschten Sozialdemokraten, der das 500-Millionen-Mark-Projekt mit 300 Millionen fördern soll, gleich fertige Vertragsentwürfe. Doch Hauff verweigerte die Unterschrift. Begründung: Bonn beschließe erst nach den Wahlen am 5. Oktober über die Finanzplanung der kommenden Jahre. Zudem sei noch nicht klar, ob Spanien den Zuschlag für das sogenannte Gasgekühlte Sonnenturm-Kraftwerk (GAST) erhalte. Im Gespräch ist noch Griechenland.
Nach einer von den deutschen Firmen Interatom, MAN, MBB und Dornier entwickelten Technologie sollen in dem Kraftwerk 20 Megawatt Strom erzeugt werden: Sonnenkollektoren richten dabei die Lichtstrahlen gebündelt auf den Reflektor eines Sonnenturms.
Beim Frühstück mit dem spanischen Industrie- und Energieminister Ignacio Bayon enthüllte der Deutsche die wahren Gründe seines Zögerns: Er sei interessiert an der Kooperation mit Spanien, erwarte allerdings auch spanisches Entgegenkommen »in anderen Bereichen«.
Hauff will das teure Projekt nur dann an Spanien vergeben, wenn Madrid den Auftrag für das 1000-MW-Kernkraftwerk Trillo II, in der Nähe von Soria, an die deutsche Kraftwerkfirma KWU in Mülheim vergibt. Auftragswert: 1,3 Milliarden Mark. Die Siemens-Tochter KWU baut seit Januar den 1000-MW-Block Trillo I. Härtester Konkurrent der Deutschen ist der US-Konzern Westinghouse.
Während der Hauff-Visite wurde jedoch klar, daß ein Bonner Beschluß, das GAST-Projekt in Griechenland statt in Spanien zu errichten, von der Madrider Regierung als weiterer Affront eines EG-Landes gegen Spanien gewertet würde -nachdem Frankreichs Staatspräsident Giscard d'Estaing bereits dafür plädiert hat, den spanischen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft zu verschieben.