BRANDT-BRIEF.
SPD-Chef Willy Brandt will nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus im März gegen eine Erneuerung der bisherigen SPD/FDP-Koalition eintreten, falls sich der Berliner Finanzsenator und Freidemokrat Hans-Günter Hoppe nicht für eine Interview-Bemerkung bei ihm entschuldigt. Hoppe hat in einem Gespräch mit dem FDP-Wochenblatt »Das Berliner Wort« die Kürzung der Bonner Berlin-Hilfe um 120 Millionen Mark kritisiert und behauptet, daß sich »der frühere Regierende Bürgermeister, unter dessen Amtsführung der Berliner Etat im Senat verabschiedet worden war, durch seine jetzige Haltung als Mitglied des Bundeskabinetts von seiner damaligen Entscheidung distanziert« habe. Brandt wies die Vorwürfe am vorletzten Freitag bei einem Fraktionsessen der Berliner SPD zurück und erklärte, Hoppe wisse genau, daß die notwendigen Kürzungen Folgen der verheerenden Finanzpolitik der alten Regierung und folglich auch der Politik des Hoppe-Parteifreundes (und ehemaligen Finanzministers) Dahlgrün seien. Brandt-Nachfolger Heinrich Albertz verließ nach der Erklärung seines Parteichefs verärgert das Essen. Grund: Er hatte Hoppes Kritik bereits in einem internen Gespräch mit dem Senator und in einer Senatssitzung gerügt und wertete Brandts Vorwurf als Eingriff in die Berliner Landespolitik. Albertz am letzten Montag auf einer Vorstandssitzung der Berliner SPD: »Am 12. März hat der Wähler seine Entscheidung zu treffen. Erst dann wird sich die Frage einer Koalition stellen. Und diese Frage wird nur und ausschließlich in Berlin entschieden.« Hoppe schrieb in der letzten Woche einen Brief an Brandt (der Freidemokrat: »Ich habe nicht die Absicht, das Schreiben zu publizieren") und wartet jetzt auf die Antwort des SPD-Chefs: »Ich hoffe, daß sich bei nüchterner Betrachtung dessen, was ich tatsächlich gesagt habe, der Konflikt auflöst.«